RITUALE

RITUALE

Mittsommernachtsfeier mit Ritualfeuer

 

 

Auf dieser Unterseite stelle ich die Rituale der Alten Sitte genauer vor und erkläre sie. Dazu gehören sowohl allgemein bekannte Rituale wie Sumbel und Blot vor, aber auch wesentlich speziellere, die in heidnisch germanischen Kreisen bislang eine weniger tragende Rolle spielen, aber vielleicht gerade deshalb besonders interessant sind.

Ein besonderes Anliegen ist es mir dabei, die schamanischen Aspekte dieser religiösen Praxis aufzuzeigen und zu betonen, die bei den Ahnen alltäglich waren, heute aber in Vergessenheit geraten sind. Als Vorlage dient dabei das, was im Allgemeinen als Basis-Schamanismus beschrieben wird, also all jene schamanischen Praktiken, die bei sämtlichen Naturreligionen gleichermaßen, unabhängig ihrer Herkunft und Nationalität vorkommen. Dies ist insofern sinnvoll, als das aus dem germanischen Kultur- und Glaubenkreis kaum Überlieferungen über die damaligen schamanischen Praktiken existieren. Der genannte Basis-Schamanismus stellt die Schnittmenge aller schamanischen Kulturen dar und so kann davon ausgegangen werden, das es sich auch um die schamanische Basis der alten Germanen handelt. Wer dieses Vorgehen als zu vage empfindet, soll an dieser Stelle nochmal daran erinnert werden, das es sich bei Asatru keinesfalls um eine genaue Rekonstruktion des Glaubens der germanischen Ahnen handelt, sondern um eine neue Religion, die auf der Mythologie und dem Leben der Ahnen aufbaut. Änderungen und neue Elemente sind somit nicht nur möglich, sondern wünschenswert.

 

Wozu Rituale gut sind:  "Rituale verändern die Realität"

 

Rituale bleiben nie ohne Wirkung:

Bevor man ein Ritual durchführt sollte man sich klar machen, daß dieses niemals ohne eine Wirkung bleiben wird! Nach Ritualen treten immer Veränderungen in der eigenen Persönlichkeit, den Lebensumständen und/oder des Schicksals der Person oder gar der zugehörigen Sippe ein.

Ein Ritual ist eine religiöse Handlung und die aktive Kommunikation mit den Göttern, den Nornen, den Geistern und Wesen aus den anderen 8 Welten, die die unsrige Welt (Midgard) umgeben. Rituale senden eine Botschaft in diese spirituellen und feinstofflichen Welten und lassen Schnittmengen zwischen Ihnen und unserer irdischen Wirklichkeit entstehen, was nicht ohne Folgen bleibt.

Gerade Anfänger und Einsteiger in die Welt des germanischen Glaubens unterschätzen die Bedeutung und Folgen von Ritualen leicht; da habe ich in früheren Jahren selbst keine Ausnahme gemacht. So war ich bei einem großen Blot anwesend, wo ein Mann feierlich und rituell in die Gemeinschaft des Vereins aufgenommen wurde und seinen Eid gegenüber den Göttern geleistet hat. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch kein gläubiger Asatruar, wohl aber sehr an der Sache interessiert und zugleich einigen altgedienten Dingen meines Lebens überdrüssig.

Aus heutiger Sicht leichtfertig und beinnahe zum Spaß habe ich mich gedanklich der Einweihung dieses Mannes angeschlossen und ebenfalls in Gedanken Dinge aus meinem bisherigen Leben geopfert, als dieser Mann materielle Dinge aus seinem bisherigen Leben den Flammen des Ritualfeuers übergeben hat. Der starken Verbundenheit mit diesem Ritual habe ich zunächst keine Bedeutung beigemessen und sie auf die "Magie des Augenblicks", also die mystische Stimmung bei Dunkelheit und Feuerschein geschoben.

Tatsächlich hatte ich an diesem Abend meinen Weg zum gläubigen Asatruar angetreten, ohne mir dessen bewußt zu sein. Im Laufe der nächsten Monate begannen sich viele Dinge in meinem Leben zu verändern, die Faszination für die Natur, eine naturnahe Lebensweise und der echte Glaube an die Götter kamen wie eine Lawine auf mich zu, während ich das Interesse an bisherigen, noch kurz zuvor leidenschaftlich ausgeübten Hobbies gänzlich verlor. Das dies alles mit dem genannten Ritual und der gedanklichen, bzw. spirituellen Verbindung zu ihm begann, fiel mir erst viele Monate später im Rückblick auf.

Aus heutiger Sicht bin ich über die damals losgetretenen Veränderungen und Ereignisse sehr froh, wie wohl diese ganze Netzseite zeigt. Dennoch zeigt das Beispiel welche große Wirkung Rituale haben können und das man sie besser bewußt, als leichtfertig durchführen sollte. Rituale macht man nicht zum Spaß und man kann sie auch nicht "einfach mal testen", denn das war damals wohl mein unterbewußter Hintergedanke.

Jedes Ritual, auch die Jahreskreisfeste, die durch ihren wiederkehrenden Charakter eine vermeintliche Routine suggerieren können, haben ihre Wirkung und zwar jedesmal eine andere. Nach jeden durchgeführten Jahreskreisfest konnte ich mehr oder weniger starke Veränderungen in meinem Leben und unserer Sippe feststellen, selbst wenn einzelne Feste mal nicht so gelungen, bzw. spirituell intensiv abliefen. In einzelnen Fällen habe ich schon Jahreskreisfeste ausgelassen, da ich zu diesem Zeitpunkt nicht bereit war für eine zunehmende Dynamik in meinen/unseren Lebensumständen.

Um die mögliche Wirkung von Ritualen nocheinmal ganz deutlich darzustellen, möchte ich das Beispiel von unserem bisher erfolgreichsten Ritual anbringen, das vor allem zeigt, daß die gewollte Wirkung eines Rituals unbeabsichtigt auch über das geplante Ziel hinausgehen kann. Zur Wonnenacht im April 2008 haben wir ein Ritual zur menschlichen Fruchtbarkeit und Fortpflanzung durchgeführt, da wir für unseren damals 8 Monate alten Sohn eine Schwester zur Welt bringen wollten. Wir haben die Götter während des Rituals um ein kleines Mädchen gebeten und ich habe sämtliche rituelle Register gezogen. Die Zeugung fand 8 Tage später an meinem "Geburtstag!" statt. Wir hatten trotz des Rituals erwartet, daß es einiger Anläufe benötigt, bis sich eine Schwangerschaft einstellt.

Tatsächlich reichte nach dem Fruchtbarkeitsritual und der Zeugung an meinem Geburtstag dieser eine Versuch, um 9 Monate später ein Zwillingspärchen zu erhalten!

Man kann in guter Absicht nicht nur schnell zuviel des Guten tun, wie im letzten Beispiel, sondern bei groben Fehlern auch negative Wirkungen entfachen. Anfängern verziehen die Götter eine zeitlang noch einige Schnitzer, aber nach einigen wenigen Ritualen, sollte man diese vermeiden, da es sonst auch nach hinten losgehen kann. Sowas äußert sich dann leicht in reichlich Mißgeschicken, sowie kleineren und mittleren Schicksalsschlägen. Eine Art Knigge im Umgang mit den Göttern und Mächten bei Ritualen ist auf der Unterseite Ritualhygiene zu finden.

 

 

1. Alfablot: Bei einem Alfablot wird dem kleinen Volk, also Elementargeistern wie Elfen, Zwergen, Kobolden, etc. geopfert, um die Beziehung und das gegenseitige Geben und Nehmen mit ihnen zu erneuern. Das Alfablot spielte zur Zeit unserer Ahnen eine sehr große Rolle, leider ist aber das Wissen um seinen genauen Ablauf in den Jahrhunderten der christlichen Diktatur verloren gegangen. Im Laufe der Zeit werde ich mich hier an einer Rekonstruktion, bzw. einer neuen Fassung versuchen, wobei ich Quellen aus dem Internet, aus Literatur und eigenen Erfahrungen mit den Elementargeistern verwende.

 Weihe des Weidenbaums

Geweiht sei er, der dem Land das Leben gibt.
Geweiht sei er,
Fließe aus deinen Quellen heiliger Fluß.
Geweiht sei er.

Platzweihe

Baum, großer Baum, Tor zu allen Welten
Baum, großer Baum, mit Dir teilen wir das Land.
Baum, großer Baum, Pfad der jedes Ziel erreicht.
Baum, großer Baum, Quelle des Lebens, wir ehren Dich.

 

2. Ansleich: Aufführung oder ein Spiel im Sinne eines Hymnus auf und für die Götter.

 

3. Binderunen: Beim Gebrauch von Binderunen verbindet man Form und Bedeutung ausgesuchter Runen zu einer kombinierten Form dieser Ausgangsrunen. Am häufigsten werden Binderunen zum Zweck der Heilung verwendet. Möchte man z.B. für sich selbst oder eine andere Person einen Schutz oder eine Heilung von einem bestimmten Leiden erreichen, so notiert man den Namen des Leidens und überträgt die gebräuchliche lateinische Schrift in Runenschrift. Anschließend zeichnet man diese Runen übereinander bis sich ein ganz neues Zeichen bildet, die Binderune. Dabei sollte man darauf achten, Gemeinsamkeiten der ausgewählten Runen in der Binderune zu verbinden, anstatt die Ausgangsrunen lediglich wild übereinander zu legen. Ob man die Binderunen auf Papier zeichnet, mit einem Stock in den Boden ritzt, oder sie in Stein meißelt ist dabei Ermessenssache. Beim Zeichnen der Binderunen sollte man aussprechen, welches Leiden man bekämpfen möchte und um Schutz oder Heilung davon bitten. Die für diese Bitte als Empfängerin passende Göttin ist Eira.

 

4. Fasten:

 

5. Gebet: Das Gebet ist keine Eigenheit monotheistischer Religionen wie des Christentums oder des Islams; auch als germanischer Heide kann und sollte man beten. In der Glaubenspraxis sieht ein heidnisches Gebet aber ganz anders aus als in den eben erwähnten Religionen. Als Heide braucht man beim Gebet nicht demütig knien, hier ist das Gegenteil der Fall. Man steht gerade und aufrecht und streckt die Arme hoch und hält sie dann schräg nach außen, so daß man mit Rumpf und Armen ein großes Y bildet. In dieser Haltung kann man die Götter laut, oder auch still in Gedanken anrufen und so seinem Gebet nachgehen. Die Inhalte des Gebetes können frei und individuell sein, oder sich zu bestimmten Anlässen wiederholen und festen Inhalten folgen. Eine paar Beispiele für feste Gebete werden hier nach und nach folgen.

Morgengebet: 

Heil Dir Tag, ich begrüße Dich mit allem was heute kommen mag.

Die Götter bitte ich bei mir zu sein, dann wird jede Schwierigkeit ganz klein.

Tischgebet:

Für Gesundheit, Speiß und Trank sagen wir den Göttern Dank; Guten Apetitt!

Abendgebet (für Kinder): 

Der Tag ist nun vollbracht, Wodan und Donar sagen (Name) Gute Nacht.

Abendgebet:

Ich danke den Göttern für diesen Tag und bitte Donar, das er mich in der Nacht beschützen mag.

Allvater Wodan bitte ich um Schutz und Segen, für meine Familie und mich auf all unseren Wegen.

Müde begebe mich jetzt zur Ruh´, werde schön träumen und erblicke den neuen Tag im Nuh´.

 

6. Initiation:

 

7. Krafttiertanz:

 

8. Manifestieren: Das Ritual des Manifestierens stammt in erster Linie aus der Welt der Elementargeister und ist ein wesentlicher Aspekt ihres Daseins. Nicht nur das kleine Volk, sondern auch wir Menschen können manifestieren, auch wenn es uns schwerer fällt als Elfen, Kolden und Zwergen. Beim Manifestieren geht es darum, etwas durch die eigene Vorstellungskraft zu erschaffen, oder herbeizuführen.

Wer nicht an die Existenz des kleinen Volkes glaubt, und das kommt sogar unter Asatruar vor, der wird die Möglichkeit des Manifestierens mit aller Entschiedenheit von sich weisen und im günstigsten Fall als Hirngespinst abtun. Nun, dies ist eine Seite wo es um Glauben geht und so kann jeder selbst entscheiden, was er glauben mag und was nicht. Allerdings ist es gerade beim Manifestieren so, daß der Glaube daran, etwas mit den eigenen Gedanken und Wünschen bewegen und erschaffen zu können, die wesentliche Vorraussetzung dazu ist, daß es überhaupt funktioniert.

Ich möchte daher auch die nüchternen Skeptiker an dieser Stelle dazu einladen, ihre Zweifel einmal abzulegen und sich auf das Manifestieren einzulassen, denn sie haben nichts zu verlieren. Ohne sich darauf einzlassen wird das Manifestieren nicht gelingen und selbst wenn es trotz aller Mühe nicht gelingt, so hat man es wenigstens versucht, aber keinesfalls etwas verloren.

Das es das Manifestieren gibt ist mir schon lange vor meinem Weg zu Asatru aufgefallen, allerdings habe ich es als Zufälle abgetan und erst später durch den Glauben erkannt, daß dem nicht so war. Als mein wichtigster Lebensinhalt noch darin bestand, rare elektronische Musikinstrumente zu sammeln, habe ich mich in meiner damaligen Begeisterung so sehr auf das jeweilige Objekt der Begierde konzentriert und im Geiste Wege erschaffen, um es bald zu erhalten, das ich unwissentlich manifestiert habe. Es dauerte selten lange, bis das gewünschte und eigentlich nicht zu findende Instrument in Kleinanzeigen, oder im Internet bei Ebay auftauchte und ich es dann noch für einen günstigen Preis erstehen konnte. Dies klappte über Jahre hinweg so wunderbar, das es alle Wahrscheinlichkeiten sprengte, die bestanden, um so eine Sammlung zusammenzubekommen.

Manifestieren ist allerdings ein Vorgang, der großen Willen, große Konzentration und sehr viel persönlich Energie benötigt. Das ich beim Manifestieren meine Instrumentensammlung sehr viel persönliche Energie verbraucht habe, die mir an anderen, aus heutiger Sicht wichtigeren Stellen fehlte, habe ich damals zwar instinktiv gespürt, diese Wahrheit aber erfolgreich verdrängt. Es ist also festzuhalten, das auch wir Menschen manifestieren können, uns aber darüber klar sein müssen, das es sehr schwer ist, unsere Energie verbraucht und wir uns daher genau überlegen sollten, wofür wir manifestieren.

 

9. Nidstang: Der Nidstang ist ein besonders starker Fluch. Eine zwei bis drei Meter hohe Holzstange mit den Kopf eines geopferten Pferdes darauf wird dazu aufgestellt. Der Pferdekopf blickt dabei in Richtung des zu verfluchenden Feindes. Der Text des Fluches und der Verwünschung wird in Runenschrift in die Stange geritzt und zudem mit Blut bestrichen und geweiht. Neben dieser traditionellen Form des Nidstang ist es heutzutage auch üblich virtuelle "Nidstang-Seiten" im Internet einzurichten.

Es sei aber gesagt, das man mit Flüchen niemals leichtfertig umgehen darf, nicht nur weil sie der Zielperson schaden, sondern weil sie sich in jedem Fall auch auf den Verluchenden negativ auswirken. Wer einen solchen Fluch loslässt begeht eine Art spirituelle Kamikaze und verursacht Schaden an seiner eigenen Seele und seinem eigenen Wyrd. Ob der Schaden an einer anderen Person einem dies Wert ist, sollte man sich im Vorfeld sehr gut überlegen.

Neben den persönlichen Verwünschungen wird insbesondere der sogenannte "Fluch der Busla" aus der Heimskringla als Stabinschrift verwendet. Da die Heimskringla erst im Jahre 1230 geschrieben wurde, kann davon ausgegangen werden das es sich beim Fluch der Busla um eine damals sehr bekannte Variante üblicher Fluchtexte handelt. Sie lautet:

Hör Buslas Fluch!
  Er ist bald gesungen,
  daß die weite Welt
  ihn wohl vernimmt,
 niemand nützlich,
 der ihn vernimmt,
 doch heilloser ihm,
 dem ich heut ihn sage!

 Weichet, Wichte,
  Gewaltiges Komme,
  wanket, Klippen,
  Welt erbebe,
  Wetter brich an,
  Gewaltiges komme

 Böses wünsch ich
  in die Brust dir an,
  daß giftige Nattern
  nagen dein Herz,
  daß deine Ohren
  für immer ertauben
  und deine Augen
  sich auswärts drehn ...

 Segelst du,
  versage das Tauwerk,
  sollen reißen
  die Ruderangeln,
  sei zerfetzt das Tuch,
  fliege das Segel,
  sollen brechen
  die Brassen alle ...

 Reitest du,
  reiße dein Zügel,
  strauchle dein Pferd,
  stürze dein Roß,
  soll jede Gasse
  grades Weges
  in der Trolle Hand
  dich hinführen ...

 Im Bett sei dir
  wie in brennendem Stroh,
  auf dem Hochsitze
  wie in hohen Wellen;
  doch Schlimmeres noch
  geschehe dir dann:
  willst du bei Mädchen
  Manneslust haben,
  komm nie zum Ziel!
  Soll ich erzählen noch mehr?

 Zwerge, Thursen
  und Zauberinnen,
  Bergtrolle, Wichte
  sollen brennen dein Haus;
  Riesen sollen dich hassen,
  Rosse sollen dich schänden,
  Stroh soll dich stechen,
  Sturm soll dich verwirren,
  Weh soll dir werden,
  tust meinen Willen du nicht!

 Sechs kommen hier:
  Sag ihre Namen,
  entziffre alle!
  Ich zeige sie dir.
  Rätst du sie nicht,
  wie ich´s richtig heiße.
  so fahr hin zur Hel,
  von Hunden zerfleischt,
  deine Seele aber
  sinke zu Hel!

 

10. Opfer: Wie in vielen anderen Naturreligionen auch, so kommen Opfergaben in der Alten Sitte eine große Rolle zu. Durch Opfergaben kann man nicht nur den Göttern danken und sie dazu bewegen, einem Unterstützung zukommen zu lassen. Opfergaben dienen vor allem dazu, das Gleichgewicht von Geben und Nehmen zwischen den Menschen und der Natur aufrecht zu erhalten. In so gut wie allen Naturreligionen gehört es zum wichtigsten Gebot, dieses Gleichgewicht einzuhalten, oder herzustellen. Auf die Bedeutung und Notwendigkeit dieses Gleichgewichts weißt auch die Edda hin, so steht im Havamal:

40 Freunde sollen mit Waffen und Gewändern sich erfreun,
 Den schönsten, die sie besitzen:
 Gab und Gegengabe begründet Freundschaft,
 Wenn sonst nichts entgegen steht.

 41 Der Freund soll dem Freunde Freundschaft bewähren
 Und Gabe gelten mit Gabe.
 Hohn mit Hohn soll der Held erwidern,
 Und Losheit mit Lüge.

Der Begriff Freund in den beiden Strophen lässt sich ebenso auf das Verhältnis zu den Göttern übertragen, oder auf unsere Mitmenschen im Alltag, Sippenmitglieder, usw. Gemeint ist das ein Geschenk, oder ein Opfer auch wirklich einen Wert haben soll. Wer Dinge verschenkt und opfert, nur weil er sie loswerden möchte, der kann keine bessere Gegenleistung erwarten, sondern eher Mißachtung, Verachtung, oder Unheil. So habe ich es schon erlebt das jemand den Göttern bei einem Ritual vergammeltes Gemüse geopfert hat. Diese Person dachte wohl man opfert am Besten was man nicht mehr braucht und was keinen Wert mehr hat; das Gegenteil ist der Fall.

Eine übertriebene Gabe ist allerdings auch nicht angebracht, denn sie setzt die Meßlatte zur Gegenleistung wohlmöglich viel höher, als es dem Beschenkten lieb ist, denn durch die Gabe ist er zur Gegengabe verpflichtet. Ist die Gabe zu groß, bringt man sein Gegenüber unter Umständen sehr in Verlegenheit und in Schwierigkeiten bei der Ausgleichsleistung. Richtig ist eine wertvolle, aber angemessene Gabe, so das Gabe und Gegengabe zum beiderseitigen Nutzen gereichen. In der Strophe 51 des Havamal heißt es dazu:

51 Die Gabe muß nicht immer groß sein:
 Oft erwirbt man mit wenigem Lob.
 Ein halbes Brot, eine Neig im Becher
 Gewann mir wohl den Gesellen.

bzw. in Strophe 146:

146 (8) Besser nicht gebeten, als zu viel geboten:
 Die Gabe will stets Vergeltung.
 Besser nichts gesendet, als zu viel getilgt;
 So ritzt es Thundr zur Richtschnur den Völkern.
 Dahin entwich er, von wannen er ausging.

Ob bei den germanischen Ahnen, den Aborigines, den Indianern, den Inuit, oder anderen Naturvölkern, sie alle töten kein Tier, ohne im Anschluß an die Jagd ein Opfer für dieses darzubringen, oder das Tier für das Schlachten um Verzeihung zu bitten. Zumindest ein Dank wird in jeden Fall ausgesprochen. Dies gilt nicht nur für die Jagd, sondern auch für zu fällende Bäume, geerntete Pflanzen und viele andere Situationen im Leben. Für alles Genommene wird der Natur etwas zurückgegeben, also geopfert.

Diese alte Gesetzmäßigkeit hat Naturvölker seit Urzeiten davor bewahrt, sich selbst ihre Lebensgrundlagen zu entziehen und die Natur in ihrer Umgebung zu zerstören. Erst der zivilisierte, zumeist christliche Mensch hat mit diesem Brauch gebrochen und Opferrituale zu primitiven Teufelswerk erklärt. Vermeintlich unbegrenztes Wachstum und ausschließliches Nehmen von der Natur ist seitdem zur Gottheit erklärt worden. Das Ergebnis kann man heute tagtäglich und überall auf der Welt sehen: Das Lebewesen Erde mit all seinen Naturwundern und Bewohner ist schwerkrank und stirbt einen, aus erdgeschichtlicher Sicht schnellen Tod.

Neben dem Erhalt des natürlichen Gleichgewichts dienen Opfer auch dazu, daß Leben des Gläubigen zu gestalten und zu gliedern. Wie anfangs schon erwähnt kann man den Göttern etwas opfern, um ihre Unterstützung für sich, oder eine bestimmte Sache zu gewinnen. Darüber hinaus kann man durch Opfer auch Lebensabschnitte markieren. Es ist bei alten und neuen Germanen üblich, beim Eintritt in eine neue Lebensphase und großen Veränderungen, einen Gegenstand aus dem vorherigen Lebensabschnitt auszusuchen und diesen bei einem Opferritual (Blot) den Flammen des Ritualfeuers zu übergeben. Es geht aber auch viel weniger dramatisch und ohne Ritualfeuer. Als unser Sohn zur Welt kam und wir Geld und Platz für neue Dinge brauchten, habe ich Teile meines Musikstudios verkauft und somit etwas aus dem vorherigen Lebensabschnitt bewußt geopfert. Wie auch immer man ein Opfer gestaltet, in jedem  Fall trennt man sich von Altem und schafft Platz für neue Dinge.

Vollständiges Opfer:

Teilopfer:

Brandopfer:

Wasseropfer:

Erdopfer:

Luftopfer:

 

 

11. Quellritual: Dieses Ritual führe ich durch, wenn ich aus Quellen in der Natur Trinkwasser schöpfe, um der Quellgöttin Laga für ihre Gabe zu danken. Eine große Rolle spielt dabei auch die Rune des Wassers, Laguz. Ein Entnehmen von Quellwasser ist für mich ohne ein kleines Ritual nicht denkbar. Ebenso wie das Ritual zum Wasserholen gehört, muß während dieses Rituals eine Opferung für das Geschenk des frischen Wassers stattfinden. Als Opfergegenstand nehme ich beim Quellritual zwei Dinge: Eine Münze als Symbol für einen Wertgegenstand und ein aus Quellwasser hergestelltes Getränk, also Wasserkefir oder Kombucha.

Nach der Anrufung und Opferung für die Quellgöttin Laga beuge ich mich zur Quelle nieder, zeichne die Wasserrune Laguz mit der Hand in den Quellboden, tauche mein Glaubenssymbol, den Thorhammer kurz ins Wasser und trinke einen kräftigen Schluck aus der Quelle. Im Anschluß daran befülle ich dann meine Kanister und Flaschen, die ich mit nach Hause nehme und dort weiterverarbeite. Im Anschluß an die eigentliche Wasserentnahme danke ich nochmal der Quellgöttin Laga. Bevor ich mich bis zum nächsten mal von diesem heiligen Ort verabschiede, binde ich noch ein Stück Stoff oder Tuch in einen nahestehenden Baum. Dies ist ein alter Brauch, von dem man sagt, daß derjenige, der das Tuch in den Baum an der Quelle gebunden hat, seine Beschwerden und Krankheiten loswird, sobald das Tuch am Baum nach einiger Zeit verottet und verschwunden ist. 

Ein Stück Stoff in den Baum gebunden (weiße Socke-oben links)

 

12. Rauhnachtsträume: Dieses Ritual erstreckt sich über die 12 Nächte der sogenannten Rauhnächte. Dies sind die zwölf auf die Wintersonnenwende (Julfest) folgenden Tage. Zur Ausführung dieses Rituals soll man sich die persönlichen Träume während der genannten Nächte entweder gut merken, oder sie gleich nach dem Aufwachen notieren. Wer nun glaubt, sich nie an seine Träume erinnern, geschweige denn diese notieren zu können, wird sich wundern. Die Träume in den Rauhnächten sind in der Tat besonders intensiv und deutlich und bis auf wenige Ausnahmen am nächsten Morgen noch zu erinnern. Die Träume der ersten Rauhnacht stehen für die im Januar des kommendes Jahres stattfindenden Ereignisse, die Träume der zweiten Nacht zeigen einem, was im Februar passieren wird, usw.

Als ich Ende 2005 zum ersten Mal von diesem Ritual hörte, habe ich keineswegs daran geglaubt, das es funktioniert, war aber offen genug dafür, es zu probieren. Überzeugend war zunächst schon einmal die Intensität der Träume in diesen Nächten, viel Bedeutung habe ich ihnen am Ende der Raunnächte, im Januar 2006, aber noch nicht geschenkt. Der Verlauf des darauffolgenden Jahres, hat mich aber restlos überzeugt. Alles was ich geträumt habe ist mit einer Genauigkeit von ca. 1-2 Wochen so eingetreten. Das in den Rauhnachtsträumen Gesehene hatte zwar den abstrakten Charakter, der Träumen nunmal zu eigen ist, aber der Grundinhalt war in jedem Fall so zutreffend, daß es auf Jahressicht hin schon beinnahe unheimlich war.

Dieses Ritual eignet sich also hervorragend dafür, eine grobe bis sogar recht deutliche Sicht auf das kommende Jahr werfen zu können. Ob sich die andeutenden Ereignisse durch das Wissen über sie verändern, oder aufhalten lassen ist an dieser Stelle nicht zu klären und wäre Gegenstand für eine intensive Diskussion. Der Nutzen des Rituals liegt für mich jedenfalls darin, kommenden Ereignissen vorbereitet gegenüber zu treten und größere Überraschungen, vor allem negativer Art, zu vermeiden.

 

13. Räuchern: Typische Räuchermittel  unserer Heimat sind:

-Bärentraube (Blätter)

-Beifuß

-Bernstein

-Bilsenkraut

-Eibe (Nadeln)

-Erdrauch

-Fichtenharz

-Fliegenpilz

-Kiefernharz

-Kleines Immergrün

-Labkraut

-Lorbeerblätter

-Mädesüß

-Mistel

-Rainfarn

-Schafgarbe

-Sonnwendkraut

-Stechpalme

-Sumpfporst

-Waldmeister

-Wacholder

 

14. Reinigungsritual: Das Reinigungsritual dient dazu, eine Person von negativen Einflüssen und Kräften zu befreinen, die sich im Laufe der Zeit in einem Menschen angesammelt haben können. Die Ursachen für sowas können vielfältig sein, in der Regel ist es aber Alltagsstreß, der sowas auslöst, sowie eigene negative Handlungen eines Menschen, die sein Wyrd verschlechtern. Es geht bei diesem Ritual aber nicht nur um die Reinigung der Person von diesen negativen Kräften, sondern vor allem auch darum, positive Kräfte zu wecken und diese in den Menschen einzupflanzen.

Unabdingbar zu einem Reinigungsritual gehört der Schutz des Ritualleiters vor den freigesetzten, bzw. losgelösten negativen Energien, der zu behandelnden Person. Vernachlässigt man diesen Punkt, oder führt diesen Teil des Rituals unvollständig oder falsch aus, so können sich die negativen Energien im ungünstigsten Fall auf die ausführende Person übertragen. So beginnt man das Reinigungsritual mit diesem Teil in folgender Weise:

Während das Handzeichen der Rune Eihwaz gemacht und der zugehörige Runengesang vorgenommen wird, imaginiert man einen reinigenden Wind, der von links nach rechts durch Körper und Geist weht. Nach einer Pause von 10 langsamen Ein- und Ausatmungen werden Handzeichen und Runengesang wiederholt und imaginiert, daß, wie bei einer Sanduhr, Sand von oben bis unten durch Geist und Körper läuft und durch seine Scheuerung reinigt. Pause, Handzeichen und Sang werden wiederholt, während ein Feuer imaginiert wird, das von oben bis unten durch Körper und Geist geht und gereinigte Räume hinterlässt. Nach der nächsten Pause wird während Handzeichen und Sang das reinigende Wasser imaginiert, das von rechts nach links durch Körper und Geist strömt. Handzeichen und Sang werden ein letztes Mal wiederholt, und man fühle sich dann entspannt, ruhig, selbstsicher und voller Vertrauen in alles, was kommen und geschehen wird. (Abschnitt zitiert aus -Germanische Magie von Gardenstone).

Das Ritual hat nur einen grob festgelegten Ablauf, der bei jeder zu behandelnden Person unterschiedlich gestaltet wird. Die Gestaltung hängt dabei sowohl vom Charakter der Person, als auch davon ab, welche und wieviele negative Einflüsse freigesetzt werden sollen. Grundsätzlich besteht das Reinigungsritual aus zwei Teilen. Im ersten Teil geht es um das Herbeirufen, bzw. um das Herauslösen der negativen Kräfte aus dem Menschen und um die Vertreibung dieser Kräfte. Im zweiten Teil des Rituals werden positive Kräfte erzeugt, um diese in die zu behandelnde Person zu übertragen und sie in dieser zu manifestieren. 

Den genauen Ablauf des Rituals haben mir die Götter während eines Utiseti am Hörgr mitgeteilt. Eine detaillierte Beschreibung des Rituals wird hier nicht erfolgen, da der Ablauf bei jeder Person leicht unterschiedlich ist und weil die Wirksamkeit des Rituals unter anderem auf der Nichtkenntniß des Ablaufs für die zu behandelnde Person beruht. Es sei nur soviel gesagt, das in der ersten Ritualhälfte die negativen Kräfte dadurch freigesetzt werden, daß mit der zu behandelnden Person Dinge geschehen, die leichte Angst, zumindest aber ein mulmiges Gefühl auslösen. Des weiteren wird in der ersten Ritualhälfte mit dem sehr persönlichen Opfer eines Teiles des Körpers und der Kraft von leicht giftigen Beeren in geringer Dosierung gearbeitet. Die zweite Ritualhälfte ist von Runengesang, Runenritzen, Räucherung, Massage, etc. geprägt.

Das erste Reinigungsritual habe ich am 05.11.06 mit meiner besten Freundin am Hörgr im Opferwald durchgeführt. Sie hatte im Laufe der Zeit offenbahr viele negative Kräfte aufgenommen, die zu sich häufenden negativen Einflüssen und Erlebnissen in ihrem Leben führten. Bereits in der Nacht nach dem Reinigungsritual konnte sie erstmalig nach Wochen wieder richtig ein- und durchschlafen und nach 1-2 weiteren Tagen zeigte sich bei ihr eine deutliche Besserung der Lebensumstände. Wenige Wochen später sagte sie mir, daß sie sich wieder voll mit positiver Engergie fühle, außerdem hatten sich die Probleme die bis zum Ritual auftauchten in Wohlgefallen aufgelöst, obwohl sie rein sachlich gesehen negativ hätten ausgehen können.

Besonders wichtig ist es beim Reinigungsritual, daß man die in der ersten Ritualhälfte freigesetzten negativen Kräfte nicht sich selbst überlässt, denn dann können sie zurückkommen, oder den Ritualleiter treffen. Es ist unbedingt notwendig, diese Kräfte unmittelbar nach ihrer Freisetzung gezielt auf andere Dinge zu übertragen, denn einfach so auflösen werden sie sich nicht. Man kann die negativen Energien auf einen Stein, einen toten Baum, das Ritualfeuer, einen Ast und ähnliches übertragen. Ich bevorzuge als Ziel das Ritualfeuer, weil sich die negativen Kräfte mit den Flammen in Luft auflösen, bzw. fein verteilt von dannen ziehen, anstatt in einem Stein oder Ast an Ort und Stelle liegen zu bleiben.

 

15. Runen ritzen: Das Ritzen von Runen ist nicht nur eine handwerkliche Tätigkeit zum Herstellen eines eigenen Runensatzes, sonder eine spirituelle und rituelle Handlung ansich. Wenn man eine Rune in ein Stück Holz ritzt, oder auch brennt, so dauert dies einige Zeit und währenddessen konzentriert man sich zwangsläufig auf die Rune und ihre Form und ist so in der Lage die Bedeutung und das Wesen der jeweiligen Rune intensiv zu erfahren. Aus diesem Grund macht es auch viel mehr Sinn, die Rune(n) recht mühsam in Holz oder Stein zu ritzen, als sie schnell mal eben auf ein Stück Papier zu zeichnen.

 

16. Schamanische Reise: Im Gegensatz zu herkömmlichen Reisen, geht bei einer schamanischen Reise nicht der ganz Körper auf eine Reise, sondern nur der Geist und die Seele eines Menschen. Etwas verständlicher wird das Ganze, wenn man sich an Tagträume erinnert, wo man in ruhigen Momenten gedanklich abschweift und an verschiedene Ereignisse, Orte, vergangene, gegenwärtige oder zukünftige Dinge denkt. Eine Schamanische Reise ist in ihren Grundzügen mit solchen Tagträumen vergleichbar, der wesentliche Unterschied liegt aber darin begründet, das ein schamanische Reise bewusster, geplanter und zielgerichteter abläuft. Fortsetzung folgt in Kürze...

 

17. Schmerzopfer: In den meisten Naturreligionen spielen mit Schmerz verbundene Rituale eine große Rolle. Überlieferungen dazu aus dem germanischen Kulturkreis sind mir bislang nicht bekannt, es ist aber zu vermuten, daß es auch bei unseren Ahnen solche Rituale gegeben hat. Falls sich diese Annahme eines Tages als falsch herausstellen sollte, spielt es für das heutige und zukünftige Asatru aber keine Rolle, da es hier nicht um eine authentische Rekonstruktion der alten Verhältnisse geht, sondern um eine neue Glaubenspraxis, deren Wurzeln bei den alten Germanen liegen. Es spricht also nichts dagegen, die Überlieferungen durch neue Rituale und Aspekte zu ergänzen.

Schmerzrituale, hier Schmerzopfer genannt, sind auch in der heutigen Zeit von anderen Religionen bekannt. Wer hat nicht bereits als Kind von den berühmten Fakiren in Indien gehört, oder in Fernsehdokumentationen gläubige Hindus gesehen, die sich Gewichte an den Körper hängen oder gar Eisenstangen durch die Wangen schieben? Auch von den Ureinwohners Amerikas, zumeist Indianer genannt, sind schmerzhafte Rituale und Mutproben bekannt.

Von vielen Mitgliedern der heutigen, christlichen Zivilisationsgesellschaft werden solche Rituale als primitiv und barbarisch angesehen und abgelehnt. Diese Sichtweise ist aber sehr vorurteilshaft und läßt Unkenntnis über die Wirkung freiwilliger erlittener Schmerzen erkennen. Hinzu kommt die Tatsache, daß der Christenmensch durchaus Schmerzrituale praktiziert, sich dessen aber nicht bewußt ist. Das beginnt bereits mit den reichlich unbequemen Kirchenbänken, Beten in knieender Position, langen Pilgermärschen, etc. Selbst die atheistischen Mitglieder unserer christlich geprägten Gesellschaft praktizieren ihre Schmerzrituale, z.B. Bungeejumping, Extremsportarten, Fitneßstudio, Pierching, SadoMaso, Tätowierungen, usw.

Der entscheidene Unterschied zu den eben genannten Beispielen, bei Christen und Atheisten, zum Schmerzopfer im Asatruglauben ist, daß es hier bewußt und aus religiöser Motivation heraus geschieht. Im Bewußtsein, mit dem freiwillig erlittenen Schmerz ein Opfer für die Götter und für sich selbst zu erbringen, kann dabei eine tiefere spirituelle Erfahrung erreicht werden, als im unbewußten Geschehen.

Wie kann ein solches Schmerzopfer im Asatruglauben nun aussehen? Zunächst einmal ist festzuhalten, daß die oben genannten Beispiele der Hindus als Extreme anzusehen sind. Für ein Schmerzopfer muß man sich nicht gleich eine Eisenstange durch die Wangen schieben. Gerade, wenn man sich in die Praxis des Schmerzopfers begibt, sollte man erstmal mit einer wesentlich geringeren Schmerzintensität beginnen. Man kann sich auch aus dem Baumarkt ein Dreikantholz besorgen und mal ausprobieren, wie lange man es erträgt, darauf zu knien. Sollte man nach bereits 5 Minuten genug haben, so kann es eine persönlich Aufgabe werden, diesen Zeitraum langsam zu steigern. Konkretere Anleitungen für ein Schmerzopfer möchte ich an dieser Stelle auch gar nicht geben, da jeder Mensch verschiedene Praktiken als unterschiedlich schmerzhaft empfindet. Im Grunde eignen sich hier eine Vielzahl der Praktiken, die auch aus dem SM-Bereich bekannt sich, allerdings mit dem entscheidenden Unterschied, das es beim Schmerzopfer nicht um sexuelle Aspekte, bzw. sexuelle Erregung geht, sondern um religiöse Motivation und religiöse Erfahrungen. Die praktische Ausführung dieses Rituals sollte also dem Ideenreichtum jedes Einzelnen überlassen bleiben. Die Intelligenz, zu wissen, wie man sich Schmerzen bereitet, ohne sich dabei ernsthaft zu verletzen, setze ich an dieser Stelle von den Lesern meiner Seite einfach mal voraus.

Wesentlich interessanter, als hier im Detail Methoden zu erläutern, sind die Auswirkungen eines solchen Schmerzopfers auf den Gläubigen. Um den Lesern dieser Seite die Auswirkungen verständlicher zu machen, sei hier noch einmal darauf hingewiesen, daß es sich um freiwillig erlittene Schmerzen handelt, deren Stärke individuell bestimmt wird. Das Schmerzopfer ist keinesfalls mit dem Gefühl unfreiwilliger Schmerzen wie Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, etc. zu vergleichen; solche Schmerzen sind immer unangenehm und auch negativ in ihren Auswirkungen. 

Die Auswirkungen des Schmerzopfers hingegen sind rundum positiver Natur, vor allem nach dem Ritual fühlt man sich befreit, leicht, beschwingt, bis hin zu euphorischer Stimmung. Auch wenn die Auswirkungen erst nach vollendeten Ritual richtig deutlich werden, so kann es auch während der Aktion zu positiven Erlebnissen kommen. Tranceartige Zustände, sowie spiritueller Kontakt zu den Göttern und Visionen sind möglich, kommen aber nicht zwangsläufig und nicht jedesmal vor.

Neben dem Kontakt zu den Göttern und spirituellen Erfahrungen ansich, ist es durch dieses Ritual vor allem möglich, angestauten Streß und innere Verspannungen wirkungsvoll abzubauen. Der Schmerz kanalisiert diese Dinge aus dem Menschen heraus und hinterlässt ein unvergleichliches Gefühl der Entspannung und Befreiung. Es kommt aber auch nicht selten vor, daß man sich nach dem Schmerzritual kurzfristig traurig oder depressiv fühlt. Ein solches Erlebnis ist aber keinesfalls Grund zur Sorge, sondern nur ein Zeichen für aus dem Körper und Geist befreite Anspannung, die noch nicht ganz ihren Weg nach draußen gefunden hat. Mittel- und langfristig wird sich auch in diesen Fällen ein nachhaltig positives Gefühl einstellen.

 

18. Seidr: Bei Seidr handelt es sich um eine magisches Ritual, das in der germanischen Geschichte hauptsächlich von Frauen ausgeübt wurde. Es geht dabei meist um Weissagung und Heilung, basierend auf Trancezuständen. Häufig werden diese Trancezustände durch Tanzen erreicht, denkbar ist aber letztendlich jedes andere Mittel, das zu tiefer Trance führt.

Ein Seidr Ritual beginnt man damit, daß man sich ein Meditationsziel vorstellt und darauf konzentriert. Möchte man heilen, so konzentriert man sich auf die zu heilende Erkrankung und Person. Im Stehen oder sitzen entspannt man sich anschließend und beginnt allmählich den natürlichen Bewegungen des Körpers nachzugeben. Aus diesem Grund gehen die meisten Seidr-Rituale mit Tanz einher. Die tanzenden Bewegungen können sich, je nach Ziel sehr aufschauckeln und wild werden. Durch den Wechsel von unbewußten Bewegungen und bewußter Entspannung gibt man dann den Geistern und Göttern die Möglichkeit, in den eigenen Körper zu fahren und ihre Botschaften und Kräfte zu empfangen. Seidr Praktiken sind im Grunde bei allen Schamanen auf der Welt bekannt und sehr ähnlich; Seidr ist eben die germanische Variante davon.

 

19. Sigille:

 

20. Steinorakel: Dieses Ritual kann man für Probleme und Fragen anwenden, zu denen man bislang keine Lösung gefunden hat und deshalb die allwissende Natur zu Rate ziehen möchte. Zunächst wandert man durch eine unberührte und verlassene Gegend bis man sich wirklich entspannt und gelöst fühlt und die Göttlichkeit der Natur spürt. Prinzipiell sind dafür sämtliche Naturlandschaften geeignet, ich persönlich bevorzuge möglichst unberührte Wälder.

Wenn man nun im entspannten Zustand durch die Gegend wandert, hält man aufmerksam Ausschau, bis man am Boden einen zwei bis drei Faust großen Stein liegen sieht, der einem aufgrund seiner Form oder Farbe ins Auge springt, oder sonstwie die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Man hebt diesen Stein auf und geht mit ihm an eine Stelle, wo man sich besonders wohl fühlt und sich bequem auf den Boden setzen kann. Im Idealfall handelt es sich bei dieser Stelle um einen Kraftplatz, allerdings ist dies keine zwingende Vorraussetzung. Es ist jeder Platz in der Natur geeignet, wo man sich wohlfühlt und bequem eine zeitlang sitzen kann.

Sobald man sich an diesen Platz gesetzt hat, legt man den Stein vor sich auf den Boden und denkt über die Frage, oder das zu lösende Problem nach. Während man dies tut, schaut man sich aufmerksam die Oberfläche des Steines an, bis man mit etwas Fantasie beginnt, darauf Lebewesen zu erkennen. Das Erkennen von Menschen, Tieren, Pflanzen, Gesichtern, etc. auf dem Stein ist in etwa damit zu vergleichen, in Wolken bestimmte Dinge erkennen zu wollen. An dieser Stelle hilft es beim Steinorakel, sich an seine Kindheit zu erinnern, wo es einem selbstverständlich erschien, in bestimmten Dingen Abbilder der Realität zu sehen. Bis man die genannten Lebewesen und Dinge auf der Oberfläche des Steines erkennt, kann es einige Minuten dauern und es ist erforderlich mit dem Stein und sich selbst geduldig zu sein.

Sobald man die eben noch undeutlich erscheinenden Dinge ganz klar und deutlich auf dem Stein erkennt, überlegt man, was einem die erkannten Dinge über das Problem oder die Frage sagen möchten, bzw. in welchen Zusammenhang sie dazu stehen können. Hat man die Antwort hierzu gefunden, so prägt man sich diese Gedanken fest ein und dreht den Stein auf seine andere Seite. Hier wiederholt man den Vorgang des Erkennens und Nachdenkens über die Strukturen des Steines und prägt sich das Ergebnis abermals fest ein. Dies sollte man mit mindestens zwei Seiten des Steines machen, mehrere sind je nach Größe des Steines auch möglich.

Im Anschluß daran ist zu überlegen, wie die Erkenntnisse aus den einzelnen Seiten des Steines sinnvoll zu einer Botschaft oder Antwort auf das ursprüngliche Problem, oder die ursprüngliche Frage zusammengefügt werden können. In den allermeisten Fällen wird sich die Lösung des Problems durch das Steinorakel einstellen. Sobald dies geschehen ist, legt man den Stein voller Dankbarkeit und Respekt vor dem Wissen der Natur an genau die Stelle zurück, wo man ihn zuvor entnommen hat.

Dieses Ritual ist auch hervorragend dazu geeignet, es zu zweit durchzuführen, wobei eine noch größere Anzahl an Teilnehmern widerrum nicht geeignet ist. Beim Steinorakel zu zweit, sollte zunächst jeder unabhängig vom Anderen seine eigenen Dinge im Stein suchen, erkennen und deuten und erst zum Schluß stellt man sich diese Deutungen gegenseitig vor und versucht einen gemeinsamen, sinnvollen Nenner darin zu finden. Es kann dabei um ein Problem und eine Frage gehen, die beide Personen betreffen, oder auch um eine Fragestellung einer der beiden Personen. In letzteren Fall unterstützt der im Steinorakel erfahrenere die fragende Person.

Für Asatruar und andere naturgläubige Menschen ist die komplette Natur belebt, auch die scheinbar unbelebten Dinge wie Steine, Wasser, Luft, Feuer, etc. Was man beim Steinorakel erfährt ist demnach das verborgene Wissen der Natur und das Ritual der Weg dazu, an dieses Wissen zu gelangen. Wer diese Methode als unwissenschaftlich kritisieren möchte, sei darauf hingewiesen, daß es sich hier um ein religiöses und metaphysisches Ritual handelt. Ebenso wie nicht alle realen Dinge mit dem Mittel des Glaubens zu fassen sind, sind sie es ebenso wenig mit den Mitteln der Wissenschaft. Im Idealfall ergänzen sich beide Herangehensweisen.

 

21. Tätowierung: Das permanente Verzieren der eigenen Haut ist nicht etwa eine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Schon vor tausenden von Jahren, lange vor der Zeit der Germanen, war es üblich, die Haut mit Symbolen und Bildern zu verzieren, die dauerhaft Bestand hatten. Sind Tätowierungen heute, Anfang des 21. Jahrhunderts bereits Mode und waren sie im 20. Jahrhundert Erkennungs- und Zugehörigkeitszeichen bestimmter Szenen, so waren sie bei den Ahnen ein religiöses Ritual. Aus religiösen Motiven heraus sind Tätowierungen vor vielen Tausend Jahren überhaupt erst entstanden.

Man tätowierte entweder, um zu heilen, oder um die heiligen Zeichen der Götter permanent auf dem Körper zu tragen und so eine besonders tiefe und dauerhafte Beziehung zu den Göttern zu manifestieren. Als Asatruar stehen vor allem bestimmte Runen, sowie die heiligen Symbole des Donarshammer, der Irminsul oder des Walknuts im Interesse der Gestaltung von Tätowierungen. Ebenso sind Binderunen oder Sigille gut denkbar.

Bereits beim Gletschermann Ötzi (der lange vor den Germanen lebte), fand man zu Heilzwecken ausgeführte Tätowierungen auf der Haut über verschlissenen Gelenken und verletzten Körperstellen. Darüber hinaus sind bei den Germanen auch Tätowierungen als permanente Kriegsbemalung, sowie als Zugehörigkeitszeichen bestimmter Stämme bekannt.

 

22. Trojatanz: So nennt man den Tanz durch eine Trojaburg. Man tanzt den verschlungenen Pfad von Außen nach Innen durch das Labyrinth und hält im Zentrum eine Weile meditierend inne. Anschließend tanzt man den Pfad von Innen nach Außen durch das Labyrinth zurück; während des gesamten Tanzes kann man sich gut mit einer Trommel, oder einem anderen Geräuschinstrument begleiten. Dieser Tanz erzeugt schnell einen Trancezustand und vertieft somit die Spiritualität. Von seiner Bedeutung her beschreibt der Trojatanz den wechselhaften Weg der Sonne im Laufe des Jahres. Oft wird der Weg ins Zentrum des Labyrinthes auch als Symbol für den Lebensweg von Geburt bis zum Tod angesehen. Der Weg aus dem Labyrinth heraus gilt als Symbol für eine erneute Geburt. Somit wird das stetige Werden und Vergehen in der Natur dargestellt.

 

23. Trommeln: Mit einer Rahmentrommel kann man viele der hier beschriebenen Rituale trommelnd begleiten. Schamanische Reisen und Rituale sind ohne das Trommeln gar undenkbar. Man schlägt in der Regel einen schnellen Rhythmus von 3 bis 4 Schlägen pro Sekunde, also 180 bis 240 Schläge pro Minute. Durch das Trommeln werden sowohl der Herzschlag, als auch die Gehirnfrequenzen stark stimuliert und schaffen somit die Vorraussetzung für Trancezustande und das Übertreten des Geistes in tiefe Spiritualität und in beliebige der 9 mythologischen Welten. Grundsätzlich sind sämtliche Arten von Trommeln geeignet, besonders jedoch Rahmentrommeln mit Griffkreuz und einem Schlegel.

 

24. Utiseta: Utiseti bedeutet Draußensitzen und stellt eine Art Meditation in der freien Natur dar. Für ein Utiseti braucht man zunächst einen geeigneten Ort, dazu empfehlen sich sogenannte Kraftplätze, an denen man die Kräfte der Natur besonders intensiv spürt. Zu unterscheiden sind dabei zwei verschiedene Arten von Plätzen, die hellen Orte und die dunklen Orte. Helle Orte findet man auf Lichtungen, Anhöhen, Hügeln, Bergen und am Meer, sie eignen sich vor allem zum Ausruhen, Erholen und Auftanken mit positiver Energie. Dunkle Orte befinden sich in tiefen Wäldern, Schluchten, an toten Bäumen, im Moor und im dichten Unterholz. Sie sind besonders geeignet, um Visionen zu erhalten, Kontakt mit den Toten aufzunehmen und Wissen zu erlangen.

Ein Utiseti führt man in der Abend- oder Morgendämmerung und im Idealfall eine ganze Nacht lang durch. Mit dem Rücken sollte man dabei an einem Baum sitzen, oder einen anderen festen Halt hinter sich haben, wie einen Felsen. Erstes Zeil bei einem Utiseti ist es, die inneren Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen und sie allmählich abzustellen; wie bei jeder anderen Meditation auch. Nachdem dies geschehen ist, schärfen sich die Sinne für die Umgebung und man kann beim Utiseti Dinge sehen und hören, die man sonst sicher nicht wahrnimmt. Neben Visionen, Kontakt zu Toten und altem Wissen, daß man dabei aus der Natur erhält, stärkt man so den eigenen Glauben und das eigene Verständis über Natur und Götter.

Hin und wieder praktiziere ich eine noch intensivere Form des Utiseti: Dabei suche ich mir im Wald abseits der Wege im Unterholz eine Stelle, wo viel Totholz herumliegt, daß eine gewisse Deckung bietet. Ich lege mich neben oder unter das Totholz direkt auf den Waldboden, als wäre er mein Bett und verweile so zum Teil mehrere Stunden bewegungslos. Zumeist trage ich dabei Tarnkleidung, so daß ich auch optisch mit dem Waldboden eins werde. Dies ist wie das normale Utiseti eine Meditation, bei der intensiver Kontakt zur Natur entsteht. Man fühlt sich nicht wie ein Besucher des Waldes, sondern wie ein Teil des Organismus Wald. Selbstverständlich kann man das auch außerhalb des Waldes an einem See oder in einem Feld durchführen. Allerdings ist der Wald der geeignetste Ort, da er unser natürlicher Lebensraum ist und durch seine Vielfalt die intensivsten Erfahrungen ermöglicht.

 

 

 

 

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Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am: 25.03.2012