ARCHIV

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Auf dieser Unterseite werden ältere Beiträge von Wurdarborns Netzseite abgelegt, die nicht mehr aktuell, aber erhaltenswert sind. Dies werden vor allem Berichte vergangener Jahreskreisfeste sein.

 

Festberichte:

1. Julfest - 1.Fest des Jahreskreises: Das Julfest ist das Erste von acht Festen im traditionellen germanischen Jahreskreis, denn in ihm fängt das Jahr nach diesem Fest an. Das Julfest wird zum Zeitpunkt der Wintersonnenwende, also am 21.12. eines jeden Jahres gefeiert. Die Wintersonnenwende makiert den astronomischen Wechsel von immer kürzer werdenden Tagen, zu wieder steigender Tageslänge. Damit ist das Julfest die wichtigste germanische Feierlichkeit, denn die von nun an zunehmende Tageslänge weist darauf hin, daß der nächste Frühling mit Sicherheit kommen wird; die Sonne wird am Julfest neu geboren. Mit der Neugeburt der Sonne ist die Vorraussetzung allen zukünftigen Lebens geschaffen.

Für unsere germanischen Ahnen waren die Begriffe Leben und Überleben untrennbar miteinander verbunden. War in einem Jahr die Ernte schlecht ausgefallen und die Vorräte knapp, so herrschte bittere Hungersnot. Die am Julfest neugeborene Sonne verkündete im noch durchzustehenden Winter zumindest die Sicherheit eines neuen Frühlings, einer neuen Ernte und somit die Hoffnung auf ein Überleben. Auch wenn unser Leben in der zivilisierten Gesellschaft heute nicht mehr so direkt von der Natur abhängt wie damals, so sollten die Julfeierlichkeiten uns vor allem daran erinnern wie es früher war und wie es eines Tages durchaus wieder sein kann. Wir sollten das Julfest dafür nutzen den Göttern unsere Dankbarkeit für unseren Wohlstand auszusprechen und diese Dankbarkeit durch Opfergaben an die Götter zu zeigen. Diese Feierlichkeiten habe ich auf folgende Weise praktiziert:

Am Vormittag des 21.12.2005 bin ich zunächst zum Baumarkt geradelt und habe dort Anfeuerholz, Kaminholz und Grillanzünder gekauft. Es entspräche dem Asatruglauben zwar mehr, selbst Holz zu sammeln, was ich 2-3 Wochen vor dem Fest auch tat, aber es war zu kurzfristig um eine ausreichende Menge zu sammeln und diese rechtzeitig zu trocknen. Am Nachmittag habe ich mich in der Wohnung durch Kerzenlicht, Musik und entsprechende Lektüre auf das Julfest eingestimmt. Als geeignet empfand ich kurzfristig folgende CD´s.

-Menhir: Buchonia

-Odroerir: Götterlieder I

-Voxus Imp.: Idafeld

-Waldteufel: Heimliches Deutschland

Nach diesem beschaulichen Nachmittag war es Abends dann soweit das Festmahl zu bereiten. In diesem Jahr habe ich mich für eine Mischung aus Reh- und Hirschgulasch entschieden, dazu gab es eine Pilzpfanne, Rotkohl und Knödel. Als Nachtisch stand Waldbeergrütze bereit. Das Festmahl leitete ich dabei mit folgendem Spruch ein: Zum Festmahl in Walhall stets Odin empfing, den Helden, der schon ins Totenreich ging. Für dieses Fest ist für uns noch lange nicht Zeit, wir Lebenden sitzen hier zum Schmausen bereit. Drum Odin sei uns nun zum Wohle, daß uns nicht zur Unzeit die Walküre hole!

Anderthalb Stunden nach dem Essen, also um ca.23:00 war es soweit das eigentliche Ritual durchzuführen. Ich habe den Rucksack mit 25 Kilo Brennholz, den vorbereiteten Opfergaben und allerlei nützlichen Gegenständen auf den Rücken geschnallt, mich auf mein Fahrrad gesetzt und bin die ca. 4 Kilometer lange Strecke durch die Stadt, das Heger Holz und zum Rubbenbruchsee gefahren. Nach einer halben Runde um den See erreichte ich an seinem Westufer meinen Ritualplatz; eine kleine in den See ragende Halbinsel mit einer Schutzhütte, der Feuerstelle und ein paar Bäumen darauf. Nach einer kurzen Verschnaufpause habe ich das Julfeuer entzündet und sicher zum Brennen gebracht. Nun konnte das eigentliche Ritual beginnen.

Mit folgenden Worten erhob ich laut meine Stimme und rief die Götter an: Dies ist die Nacht der Wintersonnenwende, in der kalten Jahreszeit, nun langsam geht das Jahr zu Ende. Es herrscht Geruhsamkeit. Ich werde Eurer gedenken, Ihr Asen und Ihr Wanen, werde teilen und werde schenken und ehren meine Ahnen! Als ersten Gott persönlich rief ich nun ODIN an, da er als Hauptgott der Asen und mein persönlicher Lieblingsgott, den Vorzug vor allen anderen hat. Dies geschah mit den Worten: Odin, Allvater, Schöpfer der neun Welten, Reiter des achthufigen Rosses Sleipnir, Träger des immer treffenden Speeres Gungnir, Asatruar Matthias Stock/Wurdarborn ruft Dich und erbittet Deine Anwesenheit. Ich opfere Dir diesen Met und bitte Dich dafür....! Dann trug ich meine persönlichen Wünsche an Odin vor und goß ein halbes Horn voll Met zischend in das Feuer, füllte das Horn wieder und leerte es in einem Zug. Anschließend dankte ich Odin lauten Wortes für seine Anwesenheit.

In ähnlicher Weise folgte nun die Anrufung von THOR, dem Gott des Wetters. Ihm opferte ich ein Drittel einer Bierflasche, trug meinen Wunsch nach trockenem Wetter bei meinen Ausflügen in die Natur im kommenden Jahr vor und leerte den Rest Bier in einem Zug.

Es folgte ANDRIMMER, der Gott all derjeniger die Nahrung verarbeiten und Essen zubereiten. Für ihn hatte ich als Opfergabe drei Stücke rohes Hirschfleisch aufgehoben, rief ihn an, warf zwei Stücke Hirschfleisch ins Julfeuer und verspeiste das letzte Stück selbst.

Als nächstes hatte ich mir überlegt die Göttin EIRA anzurufen. Sie ist die Göttin der Heilung und der Gesundheit. Da ich im Jahr 2005 sehr häufig krank war erschien mir dies angebracht. Ihr opferte ich ein Glas Milch, da Milch für mich Lebenskraft und Gesundheit symbolisiert. Außerdem war Milch schon zu Zeiten der Ahnen eine typische und beliebte Opfergabe.

Nun folgte ZIU, der Gott des Krieges, der Justiz und der Gerechtigkeit. Ich bat ihn darum im kommenden Jahr unnötige Auseinandersetzungen vermeiden zu können und darum, aus den unvermeidlichen Streitigkeiten als Sieger hervorzugehen. Ihm opferte ich einige Tropfen Blut, indem ich mir mit einer sterilen Nadel in den rechten Zeigefinger stach und Blut ins Julfeuer tropfen lies. Den Rest des Blutes trank ich selbst von meinem Zeigefinger.

Der letzte Gott, den ich bei diesem Ritual anrief und ihm opferte war MIMING. Er ist ein Gott des Waldes und der Natur. Er ist vor allem als Schutz für akut bedrohte Natur anzurufen. Die beiden Wälder, zwischen denen mein Ritualplatz liegt, das Heger Holz und das Hakenhofholz haben unter den Schneemassen von Anfang Dezember 2005 stark gelitten. Als wäre dies nicht schlimm genug, werden dort im Moment auch noch massenhaft Bäume gefällt. Für Miming opferte ich noch etwas Met.

Ich dankte allen Göttern nochmals für ihre Anwesenheit, setzte mich neben das langsam ausbrennende Feuer und trank langsam meine Flasche Met leer. Als das Feuer fast erloschen war, nahm ich einen Eßlöffel aus Metall und schaufelte 5-6 Löffel der noch glühenden Asche des Julfeuers in das Glas, in dem ich das Hirschfleisch mitgebracht hatte. Es ist ein alter Brauch einen Teil der Asche des Julfeuers aufzuheben und sie nach einem Jahr in das nächste Julfeuer zu werfen. Dies brachte in früheren Zeiten eine gute Ernte, heute kann man es auch als Symbol für Wohlstand und finanzielles Auskommen nutzen.

Rauhnächte / Die Zwölften: An das Julfest schließen sich die sogenannten Zwölften an. Auch der Begriff Rauhnächte ist für diese Feiertage üblich. Diese Zeit des Jahres soll man als Asatruar zur Ruhe und zur Besinnung nutzen. Bis zum Julfest müssen daher alle wichtigen Arbeiten des vergangenen Jahres erledigt sein, um dann während der Rauhnächte ruhen zu können. Wer es mit Asatru ernst meint und dies irgendwie mit dem Beruf vereinbaren kann, der nimmt sich diese Zeit frei. Als Asatruar nutzt man die ruhigen Tage und Nächte dazu, sich auf das vergangene Jahr zu besinnen und die Geschehnisse dieses Zeitraums für sich persönlich zu reflektieren. Man kann positive und negative Entwicklungen der letzten Zeit gedanklich in ein Verhältnis zueinander stellen, um Prioritäten und Entscheidungen für das neue Jahr zu beschließen.

Dabei können einem die Götter in jenen Tagen besonders behilflich sein, denn die Grenzen zwischen den 9 Welten verschimmen zu dieser Zeit und sowohl die Götter, als auch Elfen, Feen, Kobolde, etc. wandeln auf der Erde umher. Allvater Odin reitet in den Rauhnächten mit seinen Kriegern durch die Lüfte, diesen Zug nennt man Die wilde Jagd . Wer Kontakt zu den Göttern sucht, wird ihn während der Zwölften besonders leicht und intensiv herstellen können.

Bräuche: Für die Zeit der Rauhnächte gibt es einige schöne Bräuche und Traditionen. Zunächst einmal ist es üblich ein Feuer zu entzünden und es während der Feiertage ununterbrochen am Brennen zu halten. Dabei kommt es nicht auf die Größe des Feuers an, eine Kerze oder ein Grablicht genügen durchaus. Dieses Feuer soll aber auf jeden Fall im Freien brennen, also zum Beispiel vor dem Fenster auf der Fensterbank. Damit erweist man Odin und seiner wilden Jagd sowohl einen Gruß, als auch seinen Respekt.

Ein weiterer Brauch ist es, in jeder der 12 Nächte auf seine Träume zu achten, sie nach dem Aufwachen möglichst zu behalten und gleich zu notieren. Jede der 12 Nächte steht dabei für einen Monat des kommenden Jahres. Es heißt, daß diese Träume zumindest grob andeuten, was einem in dem jeweiligen Monat des nächsten Jahres widerfahren wird.

Dieser Text beschreibt meine Rauhnächte des Jahreswechsels 2005/2006. Bei den nächsten Rauhnächten werde ich weitere Bräuche hinzufügen und diese anschließen hier beschreiben.

 

2. Lichterfest/Disting - 2.Fest des Jahreskreises:

Zeitpunkt: Das Lichterfest oder auch Disting genannt, ist das 2. Fest im germanischen Jahreskreis. Über den Zeitpunkt für die Feiern dieses Festes gehen die Meinungen jedoch auseinander. Manche Asatruar feiern Disting am 01.02. eines jeden Jahres, während die anderen es zum zweiten Vollmond des Kalenderjahres feiern. Für meine eigenen Feierlichkeiten habe ich mich der zweiten Variante angeschlossen. Die Nacht des 2. Vollmondes in diesem Jahr war die vom 12.02. auf den 13.02.2006. Um jedoch nicht für jedes der acht Jahreskreisfeste einen Urlaubstag nehmen zu müssen (ich will ja schließlich noch welche für ausgedehnte Radtouren im Sommer und Herbst übrig behalten), bin ich einen kleinen Kompromiß eingegangen und habe das Lichterfest einen Tag früher gefeiert; also in der Nacht vom 11.02. zum 12.02.2006.

Ritualplatz: Disting 2006 haben wir auf der kleinen Halbinsel am Westufer des Osnabrücker Rubbenbruchsee gefeiert.

Bedeutung: Das Lichterfest stellt die Mitte des Zeitraums zwischen der Wintersonnenwende und der Tag- und Nachtgleiche zum kalendarischen Frühlingsanfang dar. Die Tage sind schon wieder merklich länger geworden und die dunkle Jahreszeit, in der man im Dunkeln das Haus verlässt und auch im Dunkeln wieder Heim kommt, ist nun zuende. Man feiert zu dieser kältesten Zeit des Jahres auch, daß der Winter seinen Höhepunkt erreicht hat und es von jetzt an schnell auf den Frühling zugeht. Dies ist auch bitter nötig, denn Anfang bis Mitte Februar neigten sich bei unseren Ahnen langsam die Wintervorräte ihrem Ende entgegen und nicht selten begannen zu dieser Zeit des Jahres Hungersnöte. Die Fastenzeit bei den Christen geht genau aus dieser Tatsache hervor, auch wenn sie dort zu propagandistischen Zwecken umgedeutet wurde.

Ablauf: Am Vormittag des 11.02. bin ich wieder zum Baumarkt geradelt und habe Feuerholz gekauft; mit dem Holzsammeln hat es zeitlich immer noch nicht geklappt. Wieder Zuhause angekommen haben meine Frau und ich erstmal die Wohnung aufgeräumt und geputzt; schließlich waren ja Gäste zu erwarten. Als wir damit fertig waren, habe ich auf dem Fensterbrett des Wohnzimmers eine Kerze entzündet, um sie bis zum nächsten Morgen brennen zu lassen. Am frühen Nachmittag habe ich dann einen Teil des Feuerholz in meinen Rucksack gepackt und bin zu einer Tankstelle in der Nähe gefahren, um dort einen der Gäste zu treffen. Mit ihm bin ich in das Gebiet des abendlichen Rituals gegangen, wo er sich in einem kleinen Wäldchen einen Zeltplatz für die kommende Nacht gesucht und sein Zelt aufgebaut hat. Er hätte auch bei uns in der Stube auf dem Sofa schlafen können, bevorzugt als Naturmensch aber die Nacht im Zelt zu verbringen. Außerdem hatte er sich das Zelt gerade neu gekauft und wollte es ausprobieren.

Nach dem Aufbau seines Zeltes sind wir zum Ritualplatz gelaufen, wo ich 15 Kilo Feuerholz deponiert habe. Es schloß sich eine ca. einstündige Wanderung zu mir nach Hause an, bei der wir viel Gelegenheit zum Reden und Diskutieren hatten, denn wir kannten uns bis dahin nur durch unsere Beiträge im Internet-Forum und über Emails. Bei mir angekommen, stellte ich ihm erstmal meine Frau vor. Anschließend zeigte ich ihm mein Musikstudio und er durfte einige Kostproben meiner Musik hören. Pünktlich um 20:00 Uhr trafen zwei weitere Gäste ein, die Sängerin meines Musikprojektes Wurdarborn und ihr Freund. Die Gäste hatten nun eine knappe Stunde Zeit sich untereinander kennen zu lernen, denn ich war in der Küche mit der Zubereitung des Festmahls beschäftigt.

Da das Lichterfest in erster Linie ein Fruchtbarkeitsfest ist, ist es Brauch ein Festmahl aus den Symbolen der Fruchtbarkeit zu bereiten, in diesem Fall sind es Eier und Milch. Was lag näher, als eine meiner Lieblingsspeisen zu braten, die ohne diese Zutaten unvorstellbar ist: Kaiserschmarrn. Mit den Gästen hatte ich im Vorfeld abgestimmt, daß Ihnen diese Speise auch zusagt. Nur meine Frau war etwas am Murren, aber vielleicht hat sie schon zu oft Kaiserschmarrn bei mir essen müssen. Die Gäste waren zunächst von der Größe der Portionen überrascht, aber es sollte ja noch ein anstrengender Abend werden. Eigentlich wollte ich mir zur Eröffnung des Festmahls noch einen neuen Tischspruch ausdenken, aus Zeitmangel im Vorfeld des Festes kam ich aber nicht mehr dazu und verwendete abermals den Spruch vom Julfest: Zum Festmahl in Walhall stets Odin empfing, den Helden, der schon ins Totenreich ging. Für dieses Fest ist für uns noch lange nicht Zeit, wir Lebenden sitzen hier zum Schmausen bereit. Drum Odin sei uns nun zum Wohle, daß uns nicht zur Unzeit die Walküre hole! Der Tischspruch fand bei allen Gästen Beifall, ebenso wie das Festmahl selbst.

Anschließend packte ich noch weitere 25 Kilo Feuerholz und die für das Ritual vorbereiteten Opfergaben in meinen Rucksack und wir fuhren die 2 Kilometer bis zum Wald mit dem Auto (wir sollten noch genug zu laufen haben an diesem Abend). Am Waldesrand angekommen verteilte ich die Fackeln und entzündete sie. Es folgte ein ca. 3-4 Kilometer langer Fackellauf durch den Wald und halb um den Rubbenbruchsee herum bis zum Ritualplatz am Ufer. Wer sich nun einen Fackellauf mit militärischer Ordung und Strenge vorstellt liegt falsch, die Stimmung ist im Nachhinein als spaßig und fröhlich zu bezeichnen. Das liegt vielleicht auch daran, daß die beiden Damen sich im dunklen Wald etwas fürchteten und ihre Furcht durch Späße überspielten. Am Ritualplatz angekommen schichteten wir zunächst etwa 30 Kilo des Feuerholz auf und entzündeten es mit einer brennenden Fackel.

Als das Feuer gut brannte holten wir den Met hervor und hielten zu fünft ein traditionelles Blot ab. Ich eröffnete dieses Blot mit einigen Sätzen zur Bedeutung der Feier (siehe oben) und bat die Götter um das Ende des bislang sehr kalten Winters und darum, daß der Frühling nun bald kommen mag. Ich beendete diese Ansprache mit einem kräftigen Heil Odin! und trank einen kräftigen Schluck Met aus dem Horn und reichte es weiter. Zwei der Gäste waren etwas schüchtern und wußten nicht viel zu sagen, während meine Frau noch die Göttin Frigga anrief und sich ein anderer Gast unseren Wünschen an die Götter anschloß. Wir standen noch einige Zeit am Feuer beisammen, bis ich den Höhepunkt des Festes einleitete: Die Übergabe der Opfer an die Götter.

Opferritual: Als erstes rief ich Allvater Odin mit den Worten an: Odin, Allvater, Schöpfer der neun Welten, Reiter des achthufigen Rosses Sleipnir, Träger des immer treffenden Speeres Gungnir, Asatruar Matthias Stock/Wurdarborn ruft Dich und erbittet Deine Anwesenheit. Ich opfere Dir diesen Met und bitte Dich dafür, mir weiterhin auf meinem eingeschlagenen Wege beizustehen und mir den Weg als Asatruar weiter zu zeigen. Dann goß ich Met aus dem Horn zischend in das Feuer und trank selbst einen kräftigen Schluck davon. Anschließend reichte ich das Horn mit Met durch die Runde.

Als nächstes folgte der Gott Thor, den ich wie folgt anrief: Thor, stärkster aller Götter und Gott des Wetters, ich erbitte auch Deine Anwesenheit. Ich danke Dir für das der Jahreszeit entsprechend gute Wetter an unserem heutigen Festtag. Ich bitte Dich außerdem darum, mir bei meinen weiteren Ausflügen in die Natur in diesem Jahr wieder gutes und vor allem trockenes Wetter zu bescheren. Dafür opfere ich Dir diese Flasche Bier! Ich goß Bier aus der besagten Flasche in das Feuer und leerte den Rest der Flasche in einem Zug.

Es folgte die Opferung von Milch für die Göttin Eira. Ich rief sie an mit den Worten: Eira, Göttin der schnellen Heilung und der Gesundheit, Asatruar Matthias Stock/Wurdarborn erbittet auch Deine Anwesenheit. Ich bitte Dich um mehr Gesundheit und Deine Unterstützung auf meinem weiteren Weg zu einem gesünderem Leben. Nimm als Opfergabe diese Milch von mir entgegen! Dann goß ich eine große Portion frischer Rohmilch zischend in das Feuer und trank den Rest davon selbst aus.

Als weitere Gottheit rief ich dann Andrimmer mit folgenden Worten an: Andrimmer, Gott all derjenigen, die Nahrung verarbeiten und Essen zubereiten, ich erbitte auch Deine Anwesenheit. Ich bitte weiterhin um Deine Unterstützung bei der Herstellung meiner eigenen Lebensmittel und bei der Zubereitung von Nahrung. Als Zeichen meiner Ehrerbietung nimm diesen Milchkefir als mein Opfer an Dich entgegen! Von meinem selbst hergestellten Milchkefir goß ich nun einiges in das Ritualfeuer. Den Rest des Milchkefirs tranken meine Frau und ich dann selbst aus.

Zuletzt hatte ich noch ein rohes Ei als Opfergabe übrig und übergab es etwas improvisiert und pauschal an alle anderen Götter. Eigentlich wollte ich beim Lichterfest noch einigen anderen Göttern opfern, daß scheiterte aber leider an mangelnder Zeit für die Vorbereitung. Also übergab ich das rohe Ei als Fruchtbarkeitssymbol als Opfergabe für all die Götter, denen ich eigentlich mehr Aufmerksamkeit schenken wollte. Bedingt durch den fortgeschrittenen Met- und Bierkonsum gelang der Wurf ins Feuer nicht sonderlich gut und meine Frau bekam das rohe Ei vor die Füße. Na ja, der Spaß kam an diesem Abend trotz der Ernsthaftigkeit des Opferrituals doch nicht zu kurz.

Abschluß: Wir standen noch einige Zeit um das ausbrennende Ritualfeuer und tranken noch etwas Meth. Nach einiger Zeit erklärte ich das Ritual für beendet und gab dem Gast aus dem Internet-Forum eine Fackel, damit er im Dunkeln den Weg zu seinem Zelt besser finden kann. Wir verabschiedeten uns von ihm und entzündeten unsere Fackeln. Es folgte der Weg zurück am See entlang und durch den Wald bis zum Parkplatz mit dem Auto. Zuhause angekommen verabschiedeten meine Frau und ich die anderen beiden Gäste und luden sie zum nächsten Jahreskreisfest, dem Ostarafest am 25.03.06 erneut ein. Das Lichterfest/Disting hat ihnen offensichtlich sehr gut gefallen, denn sie bedankten sich für die neue Einladung und sagten prompt ihre Teilnahme zu.

Abschließend kann ich sagen, daß es ein sehr schönes Fest war und es mich außerordentlich gefreut hat, bereits bei meinem zweiten germanischen Fest, vier Gäste begrüßen zu dürfen. Aufgrund mangelnder Vorbereitungszeit meinerseits war zwar alles etwas improvisierter als geplant, aber das tat der guten Stimmung und dem Verlauf des Festes keinen Abbruch. Eigentlich wollte ich noch ca. 1 Meter hohe Runen aus Holzbrettern zimmern, sie am Seeufer in den Boden rammen und entzünden, aber auch das fiel der mangelnden Vorbereitungszeit zum Opfer. Ich hoffe, dies beim Fest zur Wonnenacht am 30.04.06 nachholen zu können.

 

 

4. Wonnenacht - 4. Fest des Jahreskreises:

Zeitpunkt: Die Wonnenacht habe ich mit Gästen in der Nacht vom 29.04. auf den 30.04.2006 gefeiert. Eigentlich hat sich als Zeitpunkt für dieses Fest die Nacht vom 30.04. auf den 01.05. eines jeden Jahres etabliert. In diesem Fall haben wir das Fest um einen Tag vorgezogen, da der Ritualplatz in einem städtischen Naherholungsgebiet liegt und dort zum eigentlichen Zeitpunkt des Festes, wegen des Maifeiertags, mit erheblichen Störungen durch betrunkene und lärmende Stadtmenschen zu rechnen ist. Eine Inspektion des Platzes am 01.05.2006 hat diese Befürchtung aufs deutlichste bestätigt. Der noch am Vorabend beschauliche Ort war mit Glasscherben, Papptellern, achtlos in die Natur geworfenen Müll, etc. übersäht. Aus diesem Grund werden Wurdarborns zukünftige Jahreskreisfeste an einem Teich in einem wirklich abgelegenen Waldgebiet stattfinden. Da dieses nicht im Bereich der städtischen Naherholungsgebiete liegt, ist dort auch noch weitgehend unberührte Natur vorzufinden.

Ritualplatz: Die Wonnenacht 2006 fand am Westufer des Osnabrücker Rubbenbruchsee statt. Aufgrund der eben beschriebenen Probleme an diesen Ort, war es eventuell das letzte Jahreskreisfest das wir dort gefeiert haben. Sollten die Wetterverhältnisse bei den im Winter stattfindenden Festen zu schlecht sein, um einen der neueren Plätze aufsuchen zu können, bleibt der Rubbenbruchsee zumindest eine Ausweichmöglichkeit.

Bedeutung: Die Wonnenacht ist das dritte und letzte Fruchtbarkeitsfest im germanischen Jahreskreis. Während die ersten beiden Fruchtbarkeitsfeste Disting und Ostara der Fruchtbarkeit in der Natur gelten, ist die Wonnenacht der menschlichen Fruchtbarkeit gewidmet. Wollte man dieses Fest authentisch, wie unsere Ahnen feiern, müsste man zunächst in einem Fluß oder See baden, um sich körperlich und spirituell zu reinigen und sich danach mit wechselnden Partnern in die Felder begeben. Abgesehen davon, daß das Wetter beide Praktiken am 29.04.2006 nicht zugelassen hätte, handelt es sich hierbei um Bräuche der Ahnen, die sich nicht so ohne weiteres in die heutige Zeit und Gesellschaft einfügen lassen. So haben wir es mit einigen leidenschaftlichen Küssen, ohne Partnertausch beim symbolischen Feiern der Fruchtbarkeit belassen. Neben der Bedeutung für die menschliche Fruchtbarkeit markiert das Fest der Wonnenacht für uns Germanen den Beginn des Sommers. Da den Germanen nur drei Jahreszeiten, nämlich Frühling, Sommer und Winter bekannt sind, dauert jede Jahreszeit nicht 3, sondern ganze 4 Monate. Damit ist auch erklärt, weshalb der Sommer schon mit dem 01.05. eines jeden Jahres beginnt. Man feiert in der Wonnenacht also auch das endgültige Siegen der Natur über die Kälte und Starre des Winters.

Ablauf: Der Ablauf dieses Festes entsprach weitgehend dem des Julfestes und des Distingfestes. Am frühen Nachmittag habe ich zusammen mit jemanden von den Gästen des kommenden Fests im Baumarkt Brennholz besorgt, wobei wir auf dem Rückweg noch 15 Liter Milch beim Bauern gekauft haben. Der weitere Verlauf des Nachmittags war von Vorbereitungen für das Fest geprägt, also Aufräumen, Putzen, Einkaufen, Speisen vorbereiten, etc. Pünktlich um 20:00 Uhr trafen unsere beiden Gäste ein; ein befreundetes Paar, daß auch schon an den Feierlichkeiten zum Distingfest im Februar teilgenommen hatte. Weitere Gäste waren diesmal nicht mit dabei, was mir ganz recht war, da ich nach einigen Wochen mit viel Streß, knappen Finanzen und gesundheitlichen Problemen nicht in Partylaune war und sich mit 4 Personen ein besinnliches Fest ergab. Eigentlich sollten Feierlichkeiten zur Wonnenacht sehr ausgelassen und fröhlich sein, aber wenn einem nicht danach ist, würde es keinen Sinn machen.

Gegen 19:30 Uhr riefen unsere beiden Gäste an und fragten, ob es wegen des anhaltenden Regens überhaupt noch Sinn macht, sich für ein Ritual unter freiem Himmel zu kleiden. Obwohl ich diesbezüglich selber sehr skeptisch war, vertraute ich auf Thors Unterstützung und hielt an der ursprünglichen Planung fest. Als die beiden Gäste eingetroffen waren, bereitete ich das Festmahl zu, was noch eine halbe Stunde in Anspruch nahm. Für die Wonnenacht hatte ich mich für einen Auflauf mit frischen, selbstgesammelten Bärlauchblättern entschieden, denn es ist mein Anliegen, zu jedem Fest ein Mahl zu kochen, dessen Zutaten der Jahreszeit entsprechen und die der heimischen Natur entsprechen. Neben den Bärlauchblättern enthielt der Auflauf frischen Blattspinat, Kartoffeln und Eier. Überbacken wurde das ganze dann mit Käse. Wer sich für das Rezept interessiert, kann es auf der Unterseite Ernährung finden. Nach diesem Festessen im Haus wurde der Rucksack mit Brennholz, Opfergaben und Getränken gepackt und wir begaben uns in die Nähe des Rubbenbruchsees. Noch beim Verlassen des Hauses regnete es, auf dem Weg zum Ritualplatz ließ dieser aber ständig nach. Als wir in der Nähe ankamen war der Himmel bis auf wenige Wolken klar und eine ganz schmale Mondsichel lag kurz vor ihrem Untergang über dem Land. Thor hat nicht nur mal wieder in letzter Minute auf unserer Seite gestanden, sondern zum Beginn unseres Festes eine romantische Nachtlandschaft gezaubert. Wir entzündeten unsere Fackeln und liefen die kurze Strecke zum bisherigen Ritualplatz am See.

Dort entzündeten wir unser Feuer und stimmten uns durch ruhige Blicke ins Feuer und auf den See in die Athmosphäre des Rituals ein. Am inzwischen völlig aufgeklarten Sternenhimmel blieb genau über uns und dem See eine einzige tiefhängende Wolke über, in der man selbst mit wenig Phantasie das Antlitz eines alten bärtigen Mannes erkennen konnte. Da ich atheistisch und sachlich erzogen wurde, behielt ich die Sichtung dieser Wolke während des Festes lieber für mich; ich wollte nicht spinnert wirken. Umso größer war meine Freude, als meine Frau mich nach dem Fest fragte, ob ich auch diese seltsame Wolke gesehen hätte, die ihr auch schon beim vorherigen Fest aufgefallen war. Entweder sind wir nun beide bescheuert, oder Odin war wirklich anwesend. Nachdem wir diese Wolke schon beim vorherigen Fest gesehen hatten und auch in schlechten Großwetterlagen während unserer Feste immer für die Dauer der Feier gutes Wetter hatten, habe ich nun keine Hemmungen mehr, diese Begebenheiten als Göttererfahrungen zu deuten.

Opferritual: Während das Feuer vor uns brannte, goß ich Meth in mein Trinkhorn, sprach einige Sätze zur Bedeutung des Festes und gab das Horn mehrmals durch die Runde. Nach diesem Sumbel folgte das übliche Opferritual, bei dem ich für verschiedene Götter, wie Odin, Thor, Eira, Andrimmer, Frigg, etc. Meth, Bier, Milch und andere Opfer dem Feuer übergab. Auf eine lautstarke Anrufung der Götter verzichtete ich aufgrund meiner durch die vorherigen Wochen gedrückten Stimmung jedoch und beließ es bei einigen ruhigen Danksagungen, sowie einer gedanklichen Anrufung der Götter. Meine Frau rief dann noch leise die Göttin Frigga an, um unseren Kinderwunsch kundzutun und die Göttin dafür um Unterstützung zu bitten. Anschließend küssten sich beide anwesenden Paare leidenschaftlich und innig und es wurde noch etwas Meth getrunken.

Abschluß: Nachdem wir noch eine Weile am ausbrennenden Feuer standen, zerstießen wir dessen Reste und machten uns im Scheine unserer Fackeln auf den Rückweg. Zuhause angekommen verabschiedeten wir uns von unseren Gästen, die mir aufgrund des sehr besinnlichen Charakters dieser Wonnenacht einen leicht enttäuschten Eindruck machten und lud sie zum nächsten Fest mit Gästen erneut ein. Ich hätte selber gerne fröhlicher gefeiert, aber wenn die Stimmung nicht danach ist, hätte alles andere gezwungen gewirkt und sowas mag ich nicht. Heuchelei lehnen Germanen strikt ab, sowas liegt Römern besser. Das nächste Fest mit Gästen ist im August das Schnitterfest und ich bin mir sicher, das dieses Fest dann einen fröhlicheren Charakter haben wird. Dazu wird schon die größere Zahl von Gästen, sowie eine Trommel und ein Grill mit Fleisch beitragen.

 

5. Mittsommernacht - 5. Fest des Jahreskreises:

Zeitpunkt: Die Mittsommernacht wird zum Zeitpunkt der Sommersonnenwende, also in der Nacht vom 20.06. auf den 21.06. gefeiert. Je nach Kalender (Schaltjahre, etc.) kann sich dieser Termin auch um ein bis zwei Tage nach hinten verschieben. Die Sommersonnenwende makiert den astronomischen Wechsel von immer länger werdenden Tagen, zu wieder abnehmender Tageslänge.

Bedeutung: Die Mittsommernacht ist das Gegenstück zum Julfest, daß zur Wintersonnenwende gefeiert wird. Nach dem Julfest gilt die Mittsommernacht als höchstes und heiligstes Fest der Germanen. Dies ist durch mehrere Aspekte zu erklären, so feiert man die längsten und hellsten Tage des Jahres, bedingt durch den höchsten Stand der Sonne. Ein weiterer Grund zum Feiern ist, daß die Natur nun den Höhepunkt ihrer alljährlichen Entwicklung genommen hat und alles in voller Blüte steht. Der längste Tag des Jahres erinnert aber auch an die von nun an abnehmende Tageslänge und somit daran, daß der nächste Winter mit Sicherheit kommt und es Zeit wird, sich langsam auf die nahende Ernte vorzubereiten.

Ritualplatz: Das Mittsommerfest 2006 haben meine Frau und ich am Blauen See im Osning, zwischen Wellingholzhausen und Dissen gefeiert. Es handelt sich beim Blauen See um eine Karstquelle, die fernab aller Straßen und Zivilisation, einige Kilometer tief im Wald liegt. Wer schon einmal etwas vom berühmten Blautopf in Blaubeuren bei Ulm gehört hat, der kann sich auch eine Vorstellung vom Blauen See machen. Allerdings ist der Blaue See nur halb so groß wie der Blautopf und nicht ganz so spektakulär anzuschauen. Vor und neben dem Blauen See sind zwei Feuerstellen, die den Platz somit für Feste dieser Art sehr geeignet machen. Die Mittsommernacht 2006 war das erste Jahreskreisfest, das wir an diesem Ort gefeiert haben, der somit als Ritualplatz eingeweiht wurde.

 

Ablauf: Vom 20.06. bis zum 22.06.06 haben meine Frau und ich anlässlich der Feierlichkeiten der Mittsommernacht ein paar Tage Urlaub genommen. Bei den letzten beiden Festen habe ich jeweils die Erfahrung gemacht, nicht genügend Zeit für die Vorbereitung des Rituals zu haben, wenn ich nicht zumindest den Tag vor dem Fest Urlaub nehme. Gerade die Vorbereitung des Rituals ist sehr wichtig, da man sonst unsicher vor dem Feuer steht und nicht so recht weiß was, oder wie man es sagen soll. Am 20.06. habe ich mich rechtzeitig um die Vorbereitung des Rituals gekümmert, daß heißt ich habe mir überlegt, welche Götter ich anrufen möchte und habe dafür Anrufungen und Texte geschrieben, mir die zugehörigen Runen eingeprägt, etc. Es war eine gute Entscheidung, diese spirituellen Vorbereitungen als erste zu treffen, bevor ich andere wichtige Besorgungen mache. Letztere verursachen nämlich meist eine Art von Hektik bis hin zu Streß, der eine spirituelle Vorbereitung danach unmöglich macht.

Den Vor- und Nachmittag des 21.06. habe ich für Besorgungen genutzt, daß heißt Brennholz, Grillanzünder, Grillfleisch, Nachtisch, Met, Bier, Grillzange und andere notwendige Dinge für den Abend zu kaufen. Dazu bin ich zunächst zu einer guten Freundin geradelt und habe ihren PKW ausgeliehen. Dieser war ohnehin notwendig, denn der Ritualplatz am Blauen See liegt 32 Kilometer von unserem Wohnort entfernt. Ich bin es zwar gewohnt, solche Strecken mit dem Rad zu fahren, nicht aber meine Frau. Außerdem hatten wir viel zu viel Gepäck, um es mit dem Rad transportieren zu können. Bei diesem Fest habe ich das Festmahl vor dem Ritual erstmals nach draußen in die Natur verlegt. Was liegt dabei näher, als zu grillen? So habe ich eine Platte Grillfleisch gekauft und als Nachspeise frische, gezuckerte Erdbeeren. Bei meiner Recherche im Internet zu typischen Bräuchen für die Mittsommernacht bin ich darauf gestoßen, daß es üblich ist frische Erdbeeren zum Fest zu essen. Dies liegt auch nahe, da ab Mitte Juni ohnehin Erdbeerenzeit ist.

Kurz nach 21 Uhr sind wir dann ins Auto gestiegen und über Land zum Blauen See gefahren. Bereits auf dem Weg dorthin sah der ganze Himmel schwer nach heftigen Gewittern aus und wir hatte einige Zweifel, ob es mit der Feier noch etwas wird. Im Osning angekommen, bog ich mit dem Wagen in den Forstweg ein, der direkt zum Blauen See führt, zu diesem Zeitpunkt war es schon fast dunkel, vor allem wegen der Regenwolken. Da ich mir nicht ganz sicher war, ob nicht doch noch irgendwo Waldbesucher, oder gar ein Förster herumlaufen, habe ich das Licht des PKW ausgeschaltet, schließlich ist es ein Forstweg, der für den Privatverkehr nicht zugelassen ist. Mir tat es als Naturgläubiger im Herzen weh, mit einem PKW in den tiefen Wald zu fahren, aber aus bereits oben beschriebenen Gründen war es nicht anders möglich. Andererseits bin ich sonst in meiner naturverbundenen Lebensweise so konsequent, daß ich mir diese kleine Sünde so gerade verzeihen kann. Die Fahrt ohne Licht trug aber sehr zur Einstimmung auf den tiefen, dunklen Wald und die Athmosphäre des Festes bei. Am Blauen See angekommen packten wir unsere Sachen aus und trugen sie zur Parkbank an der Feuerstelle, währenddessen setzte der befürchtete Regen ein und der ganze weitere Ablauf schien fraglich zu werden. Sollte Thor uns diesmal vergessen haben, oder uns nicht gnädig gestimmt sein?

Doch, er war uns gnädig, denn der Regen blieb sehr sanft und war nach nur 5 Minuten wieder zuende. Ich entzündete zwei Fackeln und rammte sie neben einem Baum in den Boden. Inzwischen war es stockdunkel geworden und ich brauchte Licht, um den Grill und das Lagerfeuer zu entzünden. Das ich das letzte Mal gegrillt habe muß schon Urzeiten her sein, denn für das Entzünden des Grills meinte ich sämtliche Grillanzünderstückchen nehmen zu müssen. Schnell bemerkte ich, daß es im Grill viel zu heftig brannte und ich auf dem besten Wege bin, durch die chemische Zusammensetzung der Anzünder die Kohle zu vergiften und das Grillen zu vereiteln. Mit der Grillzange habe ich dann nach und nach die brennenden Anzünderstückchen in das 5 Meter entfernte Lagerfeuer geworfen und die Kohle im Grill doch noch vernünftig zum Glühen gebracht. Die Panne mit den Grillanzündern blieb aber nicht die einzige. Noch während des Grillens bemerkte ich, daß ich keine Teller mitgenommen hatte. Eine Plastiktüte als Unterlage tat es dann auch, allerdings wurde es nicht das genußvolle, entspannte Grillen, das ich mir vorgestellt hatte. Neben den fehlenden Teller trug dazu vor allem die Dunkelheit bei. Trotz der beiden Fackeln und des Lagerfeuers war es hier tief im Wald so stockdunkel, daß wir die Plastiktüten mit dem gegrillten Fleisch auf unseren Schößen überhaupt nicht sehen konnten. Aus solchen Erfahrungen wird man aber klug, beim nächsten Fest am Blauen See werden sowohl Teller dabei sein, als auch das Grillen noch vor Einbruch der Dunkelheit stattfinden. Geschmeckt hat es uns trotz der Pannen aber dennoch vorzüglich.

Opferritual: Da der rituelle Teil der letzten beiden Feiern sehr unter der fehlenden Vorbereitungszeit gelitten hatte, war es mir ausgesprochen wichtig, ihn bei der Feier der Mittsommernacht intensiver zu gestalten. Dazu habe ich der Bedeutung des Festes entsprechend die passenden Götter herausgesucht und Anrufungen und Bitten an sie formuliert.

Wie bei jedem Fest, habe ich als erstes Allvater ODIN angerufen, diesmal mit folgenden Worten und laut durch den stillen Wald hallender Stimme und mit einer körperlichen Haltung, die der Fehu-Rune entspricht: Odin, Göttervater, Schöpfer der 9 Welten, Reiter des achthufigen Rosses Sleipnir, Träger des Speeres Gungnir der niemals sein Ziel verfehlt, Anführer der wilden Jagd, grauer Wanderer in Midgard, die Asatruar Wurdarborn und Livarr rufen Dich, erfreu uns mit Deiner Anwesenheit und Hilfe! An diese Anrufung folgten persönliche Bitten, wie zum Beispiel darum, mir meinen weiteren Weg auf dem alten Pfad der Götter zu zeigen, dabei aber nicht so schnell zu gehen, daß meine Mitmenschen mir nicht folgen können, etc. Wie bei jedem Fest opferte ich Odin dafür einen kräftigen Schluck Met aus dem Horn und trank den Rest selbst aus. Ich dankte dem Allvater für seine Anwesenheit und Aufmerksamkeit und hielt anschließend einen Moment in absoluter Stille vor dem knisternden Feuer inne und meinte meine lauten Worte noch immer durch den Wald hallen zu hören.

Auch bei diesem Fest folgte als zweite Gottheit der Wettergott THOR für die Anrufung und Opferrung und ich rief ihn mit folgenden Worten an: Heil Dir Thor, stärkster aller Götter, Beschützer der Bauern, Arbeiter und Knechte, Riesenbezwinger, Besitzer des Zermalmers Mjöllnir. Wurdarborn und Livarr rufen Dich und erbitten Deine Anwesenheit bei unserem Fest. Schütze in den nächsten Wochen die gerade reifende Ernte vor zerstörerischen Wettern und schütze auch mich bei meinen geplanten Zeltausflügen vor schweren Unwettern, dafür opfere ich Dir einen kräftigen Schluck aus dieser Flasche Bier. Thor, gutmütiger Gott, Wurdarborn und Livarr danken für Deine Anwesenheit!

Für die Sonnengöttin SUNNA, die nun folgte, habe ich eigens einen Text mit 5 kurzen Strophen gedichtet, der in Zukunft noch zu einem Lied ausgearbeitet werden soll. Da es beim Fest der Mittsommernacht um die kürzeste Nacht des Jahres geht, ist Sunna die bei diesem Fest wichtigste Göttin. Der Text zu ihrer Anrufung lautet:

HEIL DIR, SUNNA

1) Heil Dir Sunna, Göttin des Lichts,

ohne Deine Güte und Kraft

gibt es kein Leben, nicht.

 

2) Heil Dir Sunna, Tochter des Mundilfare.

Du, die mit ihrem Bruder Mani

täglich über den Himmel fahre.

 

3) Heil Dir Sunna, wir rufen Dich.

Nach diesem längsten Tag im Jahre,

verschmäh´ unsere Bitten nicht.

 

4) Heil Dir Sunna, nimm heute unser Opfer an,

auf das durch Deine Kraft und Wärme

reife unsere Ernte heran.

 

5) Heil Dir Sunna, unser Dank sei Dir gegeben,

wird auch Deine Kraft nun schwinden,

warte bis Jul, dann kommt sie zurück mit neuem Leben.

 

Damit war alles gesagt und als Opfer für Sunna warf ich ein Stück meines selbstgemachten Käses in das Feuer und dankte ihr nochmal für ihre Anwesenheit.

Da meine Frau und ich uns nun endlich dazu entschieden haben, doch mindestens ein Kind in die Welt zu setzen, war es uns ausgesprochen wichtig bei diesem Fest Götter der Fruchtbarkeit anzurufen. Also habe ich mir die wichtigsten herausgesucht. Das waren in meiner Auswahl FRIGGA, FREYA und FREYR. Ich rief sie mit folgenden Worten an: Heil Euch, Frigga, Freya und Freyr, Ihr Götter der Fruchtbarkeit und Liebe. Asatruar Wurdarborn und Livarr erbitten auch Eure Anwesenheit bei unserem Fest. Wir trugen unseren Kinderwunsch vor und baten um die Hilfe und Unterstützung der Götter bei unserem Vorhaben. Ihnen opferten wir ein kleines Fläschchen mit Pflaumenschnaps. Mit den Worten: Ihr edlen Götter, Wurdarborn und Livarr danken für Eure Anwesenheit und wissen unseren besonderen Wunsch bei Euch in guter Hand, verabschiedete ich diese drei Götter und dankte Ihnen. 

Als nächstes folgte die Anrufung der Göttin EIRA. Sie ist mir als Göttin für schnelle Heilung und Gesundheit insofern sehr wichtig, als das ich nachwievor, trotz der gesunden Ernährung, noch zu häufig von der typischen Zivilisationkrankheit Migräne heimgesucht werde. Immerhin bin ich durch die zahlreichen, auf anderen Unterseiten beschreibenen Maßnahmen schon häufige Erkältungen losgeworden. Die Anrufung der Göttin Eira war mich auch deswegen bei diesem Fest so wichtig, weil ich schon im Spätwinter einem Glaubenskamerad aus einem Internetforum versprochen hatte, beim nächsten Jahreskreisfest die Göttin Eira für seine Gesundheit zu bitten und ihr zu opfern. Der arme Kerl hat nämlich Krebs. Beim Ostarafest bin ich nicht dazu gekommen, da es wegen eigener Erkrankung ausgefallen ist und beim darauf folgenen Fest der Wonnenacht habe ich es einfach vergessen, weil ich schon länger nichts mehr von ihm gehört hatte. Dieses Mal wollte ich mein Versprechen aber unbedingt einlösen und rief Eira mit folgenden Worten an: Heil Dir Eira, Göttin der Heilung. Wurdarborn und Livarr rufen Dich und erbitten auch Deine Anwesenheit bei unserem heiligen Ritual. Heile (hier kam der Name des Kamerads aus dem Forum) von seinem Krebs und schütze auch uns vor dieser und anderen Krankheiten. Um seine Chancen auf Heilung zu erhöhen und die entsprechenden Energien dafür freizusetzen, zeichnete ich mit einem Stock in den Waldboden neben dem Ritualfeuer eine vorbereitete Binderune. Dazu schrieb ich zunächst das Wort Krebs in Runenschrift und formte aus diesem fünf Runen eine Binderune, in der alle fünf Einzelrunen grafisch enthalten sind. Daraufhin goß ich als Opfer an Eira ein weiteres Symbol von Gesundheit in das Feuer, nämlich selbstgemachten Milchkefir, den auch der betroffene Kamerad gerne trinkt. Abschließend dankte ich Eira für Ihre Anwesenheit und Hilfe.

Als letzte Gottheit rief ich an diesem Abend die Wassergöttin LAGA mit folgenden Worten an: Heil Dir Laga, Wassergöttin, Beschützerin der Quellen und Brunnen, die in einem Palast über rauschendem Wasser wohnt und täglich mit Odin frisches Wasser aus goldenen Pokalen trinkt. Schütze die Quellen in dieser Umgebung, aus denen ich mein Trinkwasser beziehe, halte sie sauber und rein. Die Anrufung von Laga war insofern für mich von sehr großer Bedeutung, als das ich in letzter Zeit nicht nur immer häufiger Trinkwasser aus Quellen im Wald beziehe, sondern diese Quellen auch in dem Waldgebiet liegen, in dem dieses Fest stattfand.

Abschluß: Nach dem Opferritual setzten wir uns wieder auf die Parkbank neben dem Feuer, hielten uns in den Armen und genossen die nächtliche Waldathmosphäre, während das Feuer immer kleiner wurde. Die Bäume vor uns schimmerten im Scheine des Feuers und der Fackeln und abgesehen vom Knistern der Flammen herrschte absolute Stille. Es war kein anderes Licht zu sehen, keine Straße zu hören, keine Häuser und Menschen in der Nähe. Im Umkreis von ca. 3 Kilometern waren wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die einzigen Menschen. Noch während wir dort so saßen und die Athmosphäre genossen, war in der Ferne ein zunächst ganz leichtes noch zu leises Geräusch zu hören, um sagen zu können, was es war. Es war noch so leise, daß ich die Wahrnehmung dieses Geräusches noch eine kurze Zeit lang als Unbedeutung und vielleicht als Einbildung beiseite schieben konnte. Nicht viel später war es aber schon als ein noch undefinierbares Rauschen zu hören. Vielleicht doch ein Auto in ein paar hundert Metern Entfernung? Inzwischen hatte meine Frau es auch bemerkt und ich sagte, daß es wohl ein Auto in einiger Entfernung sein wird und das es hoffentlich nicht bei uns vorbeikommt. Als das Rauschen lauter wurde, merkten wir bald das es anders klang, als ein PKW. Was konnte es nur sein? Noch bevor wir uns darüber weitere Gedanken machen konnten wurde es schnell lauter und kündigte irgendetwas schnell näherkommendes an, direkt auf uns zu! Es machte sich eine leichte Gänsehaut breit und die Ursache des Geräusches musste uns in wenigen Sekunden erreichen, dabei war wirklich nichts zu sehen. Unmittelbar bevor es auf uns traf, war es so laut geworden, daß man nun eindeutig die Ursache des Rauschen heraushören konnte. Ein rasch nahender Regenschauer, der auf das Blätterdach des Waldes prasselte!

Unsere Gänsehaut und das leichte Panikgefühl wichen einer Erleichterung und gemeinsamen Lachen über unsere Furcht vor einem Regenschauer. Warum ich das hier so ausführlich schreibe, mag sich nun mancher Fragen. Nun, es zeigt zwei Dinge ganz deutlich. Erstens, daß wie wenig wir Zivilisationsmenschen die Natur in unserer Umgebung noch kennen, bzw. zu erkennen vermögen und zweitens, wie eindrucksvoll Naturerfahrungen selbst bei so vermeintlich unbedeutenden Dingen, wie einem kleinen Regenschauer sein können. Als naturgläuber Mensch ist so eine intensive Naturerfahrung für mich zugleich auch eine Göttererfahrung, in diesem Fall eine des Gottes Thor. Deshalb bin ich ihm dankbar dafür, uns dieses intensive Erlebnis als krönenden Abschluß unseres Mittsommerfestes geschenkt zu haben. Das er uns dabei zunächst leichte Angst eingeflösst hat, danke ich ihm auch, denn es hat mir so deutlich wie selten zuvor klargemacht, wieviel besser ich die Natur noch kennenlernen möchte und muß.

Nach diesem Erlebnis packten wir unsere Sachen, luden sie wieder ins Auto und fuhren wieder die 32 Kilometer nach Osnabrück zurück. Wenige Kilometer vor der Stadt mussten wir feststellen, daß es hier einige Gewitter und Wolkenbrüche gegeben haben musste, während wir im Osning unser Fest gefeiert hatten. Es waren in Osnabrück offensichtlich ganze Sturzbäche vom Himmel gefallen, die Straßen waren zum Teil noch überschwemmt. Als wir dies sahen, wussten wir was Thor für uns und unser Fest im Wald des Osning getan hatte! Die Wetterkarte im Internet zeigte mir hinterher das es außer an unserem Platz im Wald fast überall in der Region heftige Gewitter und riesige Wolkenbrüche gegeben hatte. Hätte uns so einer am Festplatz am Blauen See erwischt, währen wir selbst auf den 50 Metern bis zum Auto bis auf die Unterwäsche naß geworden. Im Rahmen des Möglichen hatte Thor mal wieder alles für unser Fest getan, was in seiner Macht stand. Da soll nur irgend ein Christenmensch kommen und meine Götter dem Sagen und Fabelreich zuordnen...

Nicht nur aufgrund dieser Erlebnisse mit dem Wetter bin ich mit dem Gelingen des Mittsommernachtfestes in Nachhinein hoch zufrieden. Diese Zufriedenheit bezieht sich dabei vor allem auf den spirituellen Ablauf und Wert des Festes. Im Gegensatz zu den vorherigen beiden Festen war die Zeit der Vorbereitung ausreichend und führte, wie in diesem Bericht zu lesen, zu einem schönen Fest mit ausführlichem Ritual und eindrucksvollen Natur- und Göttererfahrungen.

 

6. Schnitterfest - 6. Fest des Jahreskreises:

Zeitpunkt: Das Schnitterfest gehört als Vollmondfest zu den beweglichen Jahreskreisfesten und findet zum Zeitpunkt des 8. Vollmondes eines jedes Jahres statt; dies war 2006 der 09.08. Da bei meinen Jahreskreisfesten zumeist Gäste anwesend sind und die Vorbereitung der Feierlichkeiten inmitten einer Arbeitswoche denkbar ungünstig ist, habe ich den Zeitpunkt meines Schnitterfestes zunächst auf den 12.08.2006 gelegt. Aufgrund widriger Umstände fand dann eine weitere Verschiebung auf den 19.08.2006 statt.

Bedeutung: Das Schnitterfest ist das erste von drei aufeinanderfolgenden Erntefesten. In bäuerlichen Gesellschaften, zu denen auch die alten Germanen gehörten, wird zu diesem Zeitpunkt ein großes Fest, die Schnitterernte gefeiert. Gemeint ist damit die Ernte der Feldfrüchte, die geschnitten oder gemäht werden, also vorwiegend Getreide.

Es ist vor allem ein Fest der Freude über die beginnende Erntezeit und die kommende Reichhaltigkeit in der Natur, die nun ihren Höhepunkt erreicht. Um die Bedeutung dieses Festes in unserer modernen Zeit neu zu erkennen und zu verstehen, sollte man sich gedanklich wieder zu unseren germanischen Ahnen begeben, die als Selbstversorger lebten und keine Supermärkte, etc. kannten. Wie groß muß deren Freude gewesen sein, wenn nach der Härte und Kälte des Winters, den Entbehrungen des Frühjahrs und dem Schufften auf dem Felde in den vergangenen Monaten und Wochen endlich die Ernte begann. Hunger und Verzicht fanden ein vorläufiges Ende, was aber nicht darüber hinwegtäuschen darf, daß mit der beginnenden Ernte auch eine Zeit harter Arbeit vor ihnen lag.

Wenn ich den Blick wieder auf meine heutige Wirklichkeit richte, so ist die eben beschriebene Abhängigkeit von der eigenen Ernte keineswegs gegeben, dennoch kann ich das Leben und Denken der Ahnen stetig besser nachvollziehen, da ich einen immer größer werdenden Teil meiner Ernährung aus der Natur beziehe. Anfang August werden die ersten Früchte reif und auch die Pilzsaison nimmt langsam ihren Anfang. Nach dem Sammeln der Heilkräuter seit dem Frühjahr, schenkt mir die Natur als Sammler nun endlich auch Pflanzen, die nicht nur der Gesundheit, sondern auch der Sättigung dienen. Neben all der Freude über den Erntebeginn, spürt man zum Zeitpunkt des Schnitterfestes aber erstmals auch die abnehmende Tageslänge und wird somit daran erinnert, daß die dunkle Jahreszeit nicht mehr fern ist und man sich mit Ernte- und Sammeltätigkeiten nicht beliebig Zeit lassen kann.

Ritualplatz: Dieses Fest war das zweite, das am Blauen See im heiligen Wald Osning stattfand.

Vorfeld: Eigentlich sollte das Schnitterfest schon am 12.08.06 stattfinden und war als Feierlichkeit mit vielen Gästen geplant. Das letztendlich erst am 19.08. nur zu dritt gefeiert wurde ergab sich aus diversen Gründen. Bereits Ende Juli kam ich in die Verlegenheit eine der Teilnehmerinnen wieder ausladen zu müssen, da sie zum damals aktuellen Israel-Hisbolla-Konflikt in Bezug auf die deutsche Vergangenheit politische Aussagen traf, die man nur als disqualifizierend einordnen kann. In diesem Zusammenhang tut sich für manchen Leser die Frage auf, was eine politische Aüßerung mit einem Jahreskreisfest zu tun haben kann. Der Zusammenhang besteht darin, daß ich leider nur allzu häufig in heidnischen Kreisen und bei Glaubenskameraden auf Personen mit rechtem, bzw. faschistoidem Gedankentum stoße. Da meine persönliche Auffassung des Asatruglaubens universalistisch ist und weit von rechtem Gedankengut entfernt ist, kann ich keine Teilnehmer aus dieser Richtung bei meinen Jahreskreisfesten akzeptieren.

Aufgrund des Dauerregens Mitte August ergab sich dann eine Verschiebung des Festes um eine Woche. In den Tagen vor dem geplanten Termin am 12.08. regnete es fast ununterbrochen und eine Besserung war bis zum 11.08. nicht absehbar. Einige Gäste äußerten auch Unmut darüber vorraussichtlich im Matsch stehen zu müssen. So kam es zur Verschiebung auf den 19.08.06.

Bei zukünftigen Festen werde ich solche Verschiebungen dennoch nicht wiederholen, denn am Mittag des 12.08., zum ursprünglich geplanten Termin riß die Wolkendecke in der Region Osnabrück auf und herrliches Sommerwetter kam zum Vorschein und hielt auch für den Rest des Tages und die kommende Nacht an. Ich hatte Thor nicht genug vertraut und mich stattdessen von anderen zur Verschiebung bewegen lassen. Was habe ich mich an dem Tag geärgert und Thor gegenüber geschämt. Aber nun gut, auch im negativen war dies eine intensive Göttererfahrung. Leider fielen durch die nun nicht mehr zu ändernde Verschiebung auch die meisten der Gäste weg, da sie am 19.08. keine Zeit hatten. Also sollte mit meiner Frau und einem befreundeten Paar zu viert gefeiert werden...

Ablauf: Aus vier geplanten Teilnehmern wurden dann leider doch nur drei, da der Freund einer Teilnehmerin kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen verhindert war. Also feierte ich mit meiner Frau und dieser guten Freundin zu dritt im kleinen Kreis. Nachdem alle Vorbereitungen getroffen waren, fuhren wir mit ihrem Auto zum Blauen See im Osning und kamen dort wie geplant noch einige Zeit vor Einbruch der Dunkelheit an. Auf dem Weg dorthin sah es deutlich nach Gewitter aus und Aufgrund des zu erwartenden Regens und der Angst dieser Freundin vor Gewittern, geriet das Stattfinden des Festes nocheinmal in deutliche Unsicherheit. Thor war uns an diesem Abend aber halbwegs gnädig und aus dem Gewitter wurde dann doch nichts.

Am Blauen See angekommen packten wir unsere Sachen aus, bauten den Grill auf, bekamen ein paar leichte Regenschauer ab und entzündeten den Grill. Schneller als geplant wurde es dunkel und das Essen verschob sich noch weiter in die Dunkelheit, da unsere Freundin in großer Sorge um ihren erkrankten Partner war und ihn per Handy anrufen wollte, dazu aber mit dem PKW erst den Wald verlassen musste, da es im Osning absolut keinen Handyempfang gibt. Als sie nach einigem Verfahren im dunklen Wald zurück war, genossen wir das leckere Fleisch vom Grill, wenn auch das Essen in der Dunkelheit wieder etwas schwieriger als gedacht war; wenigstens hatte ich zu diesem Fest Teller mitgenommen. Nach dem Essen fuhr ich mit unserer Freundin nochmal aus dem Wald, damit sie erneut ihren Partner anrufen konnte; zu meiner größten Überraschung war meine Frau bereit währenddessen allein in Einsamkeit und Dunkelheit zurückzubleiben. Nach 20 Minuten waren wir aber zurück und konnten mit dem rituellen Teil des Festes beginnen.

Für dieses Fest hatte ich mir ein paar Neuerungen ausgedacht, um eine tiefere Spiritualität zu erlangen und den historischen Festen der germanischen Ahnen näher zu kommen. So begann ich mit der Platzweihe durch das Hammerritual. Dazu nahm ich einen ca. 15 Zentimeter großen Thorhammer aus Holz, den ich an einer anderthalb Meter langen Schnur über meinem Kopf kreisen ließ. Dabei umkreiste ich in langsamen Schritten den Platz und wiederholte mit lauter Stimme folgenden Satz: Schwingt Thors Hammer in der Luft, geht alles Böse auf die Flucht! Anschließend stellte ich mich an die Nordseite des Platzes, lies den Hammer kreisen und rief: Der Hammer schwingt gen Nord und alles Kranke macht sich fort! Nun stellte ich mich auf die Südseite des Platzes und rief: Auch im Süden dreht er seine Runden und alles Unglück ist verschwunden! Zum Abschluß der Platzweihe stellte ich mich vor das entzündete Ritualfeuer und rief: Der Hammer hat den Platz geweiht, weh dem der ihn von nun an entweiht!

Bei diesem Fest wurden erstmals auch geräuschhafte Elemente mit in in das Ritual mit einbezogen und zwar durch Trommel, Waldteufel und Runengesang (Galdr).

 

 deswegen ist die wissenschaft auch immer nur in der lage einen teil des großen ganzen zu erklären und deswegen kann die kombination aus "wissen" und "glauben" zu soviel mehr erkenntnis führen, als jeweils nur eine der beiden sachen

 

 

 

 

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Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am:  31.03.2008